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Der Meeting Point-Feuerwehrcheck: Die Freiwillige Feuerwehr Königsborn

Interview
  • Erstellt: 12.02.2022 / 08:05 Uhr von aw
„Feuerwehr ist für mich eine Lebenseinstellung” berichtet uns Ortswehrleiter Andreas Wilhelmy (36) begeistert. Mit welchem Einsatz die Kameraden noch immer zu kämpfen haben, welche Ausrüstung in der neuen Wache vorhanden ist und wie man das Dorfleben unterstützen kann lest ihr im Interview.

Meeting Point JL: Wie sind Sie zur Feuerwehr gekommen, was sind ihre aktuellen Aufgaben und was hält Sie beim Ehrenamt?

Andreas Wilhelmy: „Seit 2021 bin ich der Ortswehrleiter in Königsborn. Eingetreten bin ich 2002. Damals war ich selbst vom großen Hochwasser betroffen und wollte nicht nur zusehen, sondern auch helfen. Außerdem waren fast alle meine Freunde schon bei der Feuerwehr. Und jetzt habe ich mich in 20 Jahren bis zum Dienstgrad Ortswehrleiter hochgearbeitet und bin da auch stolz drauf. Was mich aktiv dabei hält ist, dass ich Menschen helfen kann und im Ort etwas mit organisieren kann. Mir macht das ganze Feuerwehrwesen Spaß und ich bin immer sehr stolz, wenn ich die Feuerwehruniform trage. Auch die Kameradschaft ist ein Antrieb, sie ist so einzigartig. Wir schaffen einfach mit der Feuerwehr einfach Gesprächsthemen, die 16- und 60-jährige interessieren und verbinden. Feuerwehr ist für mich eine Lebenseinstellung.”

Meeting Point JL: Wie viele Mitglieder hat die Feuerwehr Königsborn zur Zeit und in welchen Abteilungen?

Andreas Wilhelmy: „Derzeit sind bei uns 16 aktive Mitglieder in der Einsatzabteilung und acht in der Alters- und Ehrenabteilung. Unsere älteste Kameradin ist Edith Stegelitz mit 90 Jahren. Eine Jugendfeuerwehr haben wir schon eine Zeit lang gar nicht mehr und durch Corona kann ich nicht genau sagen, wie viele noch in der Kinderfeuerwehr dabei sind. Es waren mal 16 in der Kinderausbildung. Wir können noch nicht absehen, wann es wieder losgeht und mit wie vielen Kindern. Unsere Kinderfeuerwehr-Wartin steht aber schon in den Startlöchern, sodass wir hoffentlich mit kommenden Lockerungen im April wieder anfangen können.”

Meeting Point JL: Wann wurde die Feuerwehr gegründet und können sie etwas aus ihrer Geschichte erzählen?

Andreas Wilhelmy: „Die Freiwillige Feuerwehr Königsborn wurde 1918 gegründet, wir gehen jetzt also ins 104. Jahr. Was in unserer Geschichte aktuell besonders war ist, dass wir ca. zehn Jahre gar kein richtiges Gerätehaus hatten. So lange wurden wir in verschiedenen Garagen von ansässigen Firmen untergebracht. Deshalb zeichnet es uns besonders aus, dass wir so lange durchgehalten haben und die Kameraden der Feuerwehr die Treue. Seit 2016 sind wir jetzt im komplett modernisierten Gerätehaus und sind super zufrieden, aber die 10 Jahre ohne waren schon hart.”

Meeting Point JL: Mit welcher Technik und welchen Fahrzeugen rücken sie aus?
Andreas Wilhelmy: „Zur Zeit stehen uns zwei Fahrzeuge zur Verfügung, ein Tragkraftspritzenfahrzeug - Wasser (TSF-W) mit Hochdrucklöscheinrichtung, ein Gerätewagen-Logistik mit der kompletten Logistik Komponente für die Gemeinde. Damit können wir 1000 m Schlauch verlegen, wir können ein Zelt aufbauen für z.B. eine mobile Einsatzleitung. Wir haben auch ein großes Notstromaggregat und alles in allem sehr gut Technik, die uns da zur Verfügung steht. Es spricht also sehr viel dafür, dass es die Feuerwehr Königsborn noch weitere 104 Jahre geben wird!”

Meeting Point JL: Wie viele Einsätze sind sie 2021 und auch dieses Jahr schon gefahren, wie viele fahren sie durchschnittlich?
Andreas Wilhelmy: „Im letzten Jahr waren es sechs Einsätze. Das war sehr ausgeglichen mit drei Brandeinsätzen und drei Hilfeleistungen. Üblicherweise fahren wir zwischen sechs und acht Einsätze. Unseren ersten Einsatz dieses Jahr hatten wir bspw. um 3:00Uhr nachts, als ein Geräteschuppen und Mülltonnen in der Silvesternacht brannten.

Ein Einsatz, der für alle Kameraden besonders prägend war und über den wir immer noch sprechen ist der vom 03.01.2021, als wir bei einem schweren Wohnungsbrand eine Person nur noch tot bergen konnten. Das war wirklich der schwerste bisher, der die Kamerade vor eine Belastungsprobe stellt. Was auch immer schlimm ist, wir uns aber darauf einstellen müssen, sind die zahlreichen Hochwasser und auch Wald- bzw. Flächenbrände in der Region.”

Meeting Point JL: Werden in ihrer Wache bestimmte Traditionen zelebriert oder Veranstaltungen gefeiert?
Andreas Wilhelmy: „Üblicherweise organisieren und führen wir zwei Brauchtumsfeuer, das Mai- und Oktoberfeuer zum Tag der deutschen Einheit durch. Wir unterstützen unseren Kindergarten beim Weihnachtsmarkt und Kindertag. Ansonsten veranstalten wir natürlich unsere Jahreshauptversammlungen und was bei uns noch zur Tradition geworden ist, dass wir bei runden Geburtstagen von den Kameraden wir zu einem Einsatz ausrücken, mit Pauken und Trompeten. In der Regel wird dabei auch der Vorgarten etwas gewässert und es gibt ein Geschenk, aber da das inzwischen alle wissen ist es fast keine Überraschung mehr.”

Meeting Point JL: Haben sie aktuell durch Corona noch Einschränkungen in der Durchführung der Ausbildungen?

Andreas Wilhelmy: „Wir können aktuell alle 14 Tage wieder unseren Ausbildungsplan durchführen, mit dem Hygieneplan der Gemeinde. Wir testen uns auch vorher, machen aufgeteilt Gruppenübungen, damit nicht so viele Menschen aufeinander sitzen. So haben wir dann an einem Abend immer zwei Themen, die in den Gruppen geteilt besprochen werden. Wir müssen natürlich als Freiwillige jeden Handgriff üben und alle auf dem neusten Stand sein, damit im schlimmste Fall nichts schief geht.”

Meeting Point JL: Gibt es in Königsborn noch Pläne für dieses Jahr? Wird etwas erneuert oder gefeiert?

Andreas Wilhelmy: „Unser Plan für dieses Jahr ist, dass wir unsere Brauchtumsfeuer endlich wieder durchführen können, das Dorf- und Reitfest wieder begleiten, so dass Dorfleben aufleben lassen und als Feuerwehr wieder mehr Präsenz zeigen können.

Aktuell sind sieben Kameraden von uns auch eifrig dabei einen Förderverein für die Feuerwehr ins Leben zu rufen, bzw. aus dem Boden zu stampfen. Weil wir händeringend Verstärkung suchen. Dabei müssen nicht alle zum Einsatz, aber wir wollen einfach mehr Leute animieren vorbei zu kommen und sich für die Feuerwehr und das Dorf einzusetzen. Dazu kann man gerne bei den Ausbildungen vorbei kommen, bei mir zuhause klingeln - eigentlich wissen alle, wo ich wohne - oder ein anderes Mitglied ansprechen. Dieses Jahr bietet sich das erst recht an noch dem Sommer zu uns zu kommen, weil wir dann eine Grundausbildung durchführung. So könnte man direkt Ende des Jahres aktiv mitmachen. Wir sind auch nicht so eine eingeschworene Gemeinschaft, die fies zu den Neuen sind. Bisher haben sich alle Neuen gefragt, wieso sie nicht schon früher mitgemacht haben.

Meeting Point JL: Wollen sie ihrer Gemeinde und den Leuten im JL noch etwas mitgeben?
Andreas Wilhelmy: „Ich glaube es ist immer wichtig zu wissen, dass 98% der Feuerwehren in Sachsen-Anhalt freiwillig sind und somit wahnsinnig wichtig. So würden wir manchmal gerne etwas mehr Wertschätzung erfahren.

Ansonsten kann man nicht oft genug sagen, dass man auch auf seine Umwelt achten soll und mit den Feuerschalen und dem Grill im Sommer aufpassen. Lieber einmal zu oft die Feuerwehr alarmiert, als zu wenig!

Abschließend will ich noch mitgeben, dass es für jedes Dorfleben eine Bereicherung ist, wenn sich so viele wie möglich in den Vereinen beteiligen und auch bei der Feuerwehr. Es ist ein riesen Gewinn, wenn man im eigenen Ort mehr Leute kennt und so das Dorf unterstützt.”

Bilder

Quelle: Feuerwehr Königsborn
Quelle: Feuerwehr Königsborn
Quelle: Feuerwehr Königsborn
Quelle: Feuerwehr Königsborn
Quelle: Feuerwehr Königsborn
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