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Der Meetingpoint Feuerwehrcheck: Heute, die Feuerwehr Menz "Traum eines Kindes wurde wahr"

Interview
  • Erstellt: 23.01.2022 / 07:00 Uhr von aw
Hier wurde der Traum eines Kindes wahr. Mathias Seidler initiierte als Jugendlicher die Gründung der Jugendfeuerwehr Menz - jetzt ist er Ortswehrleiter. Mit großer Hingabe zum Ehrenamt stand uns Seidler für unseren Feuerwehr-Check Rede und Antwort und berichtet, wie er mit Leidenschaft, Lust und Laune das Ehrenamt ausführt.

Meetingpoint JL: Wie sind sie zur Feuerwehr gekommen und welche Position haben sie gerade inne?
Mathias Seidler: „Ich bin zur Zeit der Ortswehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr Menz der Einheitsgemeinde Gommern. Ich bin etwas unkonventionell zur Feuerwehr gekommen. 2001 als Jugendlicher bin ich mit einigen anderen Kindern zum Bürgermeister gegangen und tatsächlich haben wir ihn gefragt, ob wir, wie die anderen Dörfer, eine Jugendwehr aufmachen könnten. Das hat dann wirklich funktioniert und seit Herbst 2001 gibts die Jugendfeuerwehr in Menz. Letztes Jahr war dann schon das 20. Jubiläum. Und wieso ich so lange dabei geblieben bin? Es ist einfach eine Berufung. Wir sind wie eine große Familie, die alle mit Leidenschaft die Bereitschaft haben Menschen zu retten und alle ein ähnliches technisches Interesse haben, dass schweißt unheimlich zusammen und macht einfach viel Spaß.”

Meetingpoint JL: Zur Feuerwehr Menz: sie feiert 2022 ihr 120. Jubiläum. Gibt es in der Geschichte der Feuerwehr besondere Ereignisse und gibt es eine Jubiläumsfeier?
Mathias Seidler: „Geplant ist ein Festtag mit mehreren Veranstaltungen, Übungen der Jugendfeuerwehr und wir wollen etwas von der Entstehungsgeschichte bis heute zeugen. Es wird auch Überraschungen geben. Ich will jetzt auch nicht alles verraten, damit es für die Kameraden und Kameradinnen noch Überraschungen gibt. Die Veranstaltung wird im Juni stattfinden, ein genaues Datum werden wir noch bekanntgeben.

Was in unserer jüngeren Geschichten ansonsten noch erwähnenswert ist, dass wir 2000 unser erstes komplett fabrikneues Löschfahrzeug in Empfang nehmen durften. Davor waren es ‘nur’ gebrauchte. Das ist schon besonders für so einen kleinen Ort. Dann wurde, wie schon gesagt, 2001 die Jugendfeuerwehr gegründet. Ehrlich gesagt ist die auch für die Nachwuchsgewinnung wahnsinnig wichtig, damit die Feuerwehr weiter bestehen bleibt. 2020 gab es auch noch ein tolles Ereignis. Nach langem Warten konnten wir das neues Gerätehaus einweihen und beziehen. Das war ein ganz großer Schritt nach Vorne, denn durch das neue Gebäude wird unsere Arbeit und die der Jugendfeuerwehr sehr erleichtert. Mein persönliches Highlight war zudem 2021 die Hochzeit meiner Schwester. Das Besondere daran war, dass sie selbst bei der Feuerwehr ist und ihr Mann auch. Es war also eine komplette Feuerwehrhochzeit. Da war dann das Brautauto unser Löschfahrzeug.”

Meetingpoint JL: Wie viele Mitglieder zählt die Feuerwehr Menz zur Zeit? Und gibt es genug Nachwuchs?
Mathias Seidler: „Wir sind zur Zeit 17 aktive Kameraden und Kameradinnen, 6 passive, 7 in der Alters-und Ehrenabteilung und 8 in der Jugendfeuerwehr. Dabei sind die hälfte Mädchen und auch sonst haben wir einen hohen Frauenbestand mit 6 bei den aktiven Mitgliedern. Das kommt sehr gut an, weil wir auch zwischen den Geschlechtern keinen Unterschied machen. Es haben alle die gleichen Aufgaben und Übungen.

Es kann nie genug Nachwuchs da sein - alle können eintreten. Mindestens 16 Jahre muss man für die Grundausbildung sein und dann kann man mit 18 in den aktiven Dienst eintreten. Alle mit Leidenschaft, Lust und Laune können kommen. Alle 14 Tage beim Dienstabend kann reingeschnuppert werden. Wir freuen uns wirklich über jedes neue oder alte Gesicht!”

Meetingpoint JL: Was ist ihr normales Einsatzgebiet und wurden sie schon zu weiteren Einsätzen gerufen?
Mathias Seidler: „Unser normales Einsatzgebiet ist die Feldmark um Menz herum. Die Hauptschwerpunkte sind die B184, die Kita Waldmäuse und eine Solarfirma. Dann gibt es noch die Bahnstrecke Dessau-Magdeburg und einen großen Landwirtschaftsbetrieb mit Scheunen und Feldern. Ansonsten stehen wir zu Hilfeleistungen in der ganzen Einheitsgemeinde bereit. Beispielsweise sind wir auch schon bis nach Leitzkau zu einem Feldbrand ausgerückt.”

Meetingpoint JL: Wie viele Einsätze gab es in 2021, oder auch schon 2022 und ist ihnen in ihrer Laufbahn einer besonders im Gedächtnis geblieben?
Mathias Seidler: „Wir sind letztes Jahr 6 Einsätze gefahren. Coronabedingt sind in den letzten 2 jahren die Zahlen gesunken. So sind wahrscheinlich weniger Dummheiten betrieben worden und auch weniger Unfälle passiert. Die 6 sind also eher unter dem Durchschnitt. 2022 gabs zum Glück noch nichts zu tun.

Woran ich mich noch gut erinnern kann war ein schlimmer Hausbrand in der Ortschaft, der über 2 Tage gedauert hat. Das war auch mein erster richtiger Brandeinsatz, dass war sehr prägend und ging mir durch die Knochen. Und auch letztes Jahr der Unfall mit dem Schulkleinbus, der war auch als Einsatzleiter sehr prägend. Sowas vergisst man nicht, wenn man so viele Schreckensvorstellungen hat, aber der ist ja zum Glück noch glimpflich ausgegangen. Ich hatte auch mal einen etwas kuriosen Einsatz. Da gab es einen Autounfall, bei dem der Fahrer übers Feld türmen wollte und von der Polizei verfolgt wurde.”

Meetingpoint JL: Gab es 2021 irgendwelche Neuerungen oder steht für 2022 etwas Neues an?
Mathias Seidler: „Wir hatten letztes Jahr und werden auch 2022 keine großartigen Anschaffungen machen. Das Gerätehaus ist nagelneu, wir haben einen guten Fahrzeugbestand und tiptop Technik in den Fahrzeugen. Das ist für unsere Größe sehr gut ausgestattet. Wir konzentrieren uns auf die Ausbildung auf Kreis und Landesebene. Einige von uns machen noch eine Atemschutzausbildung und es gibt auch noch eine Truppführerausbildung.”

Meetingpoint JL: Gibt es in der Menzer Feuerwehr spezielle Traditionen oder Veranstaltungen?
Mathias Seidler: „Auf jeden Fall feiern wir traditionell die Weihnachtsbaumverbrennung, dass ist eines der größten Sachen, wo die Feuerwehr den Ort unterstützt. Die wird dieses Jahr auch am 05.02. stattfinden unter der 3G Regel auf einem offenen Platz, wenn nichts mehr dazwischen kommt. Vormittags fahren wir rum und sammeln die Bäume von den Straßen ein, damit auf dem Dorfplatz gefeiert werden kann. Unsere feuerwehrinternen Highlights sind die Jahreshauptversammlung und auch die Grillveranstaltungen, zu denen auch die Familien kommen. Da bedanken wir uns dann auch für ihre Unterstützung in unserem Ehrenamt, dass sie auch mitmachen, wenn mitten in der Nacht der Pieper losgeht und man los muss.

Ansonsten haben wir uns im Ort gut etabliert und feiern nicht nur die Weihnachtsbaumverbrennung, sondern auch ein Osterfeuer, den 1. Mai, veranstalten ein Sommerfest und einen Weihnachtsmarkt.

Deshalb erfahren wir auch vom Dort eine große Wertschätzung in unserem Ehrenamt. Letztes Jahr konnten wir auch nach Jahren endlich einen Sankt Martins Umzug organisieren, sogar mit Spielmannszug, bei dem dann endlich auch alle das neue Gerätehaus ansehen und reinschnuppern konnten.”

Meetingpoint JL: Haben sie noch einen ultimativen Tipp für die Gesellschaft zur Gefahrenabwehr, damit die Feuerwehr weniger zu tun hat?
Mathias Seidler: „Umsichtigkeit und mit Feuer und Elektrogeräten nicht leichtsinnig handeln, ob zuhause oder während der Autofahrt. Immer auch auf die anderen Achten, auf die Nachbarn aufpassen, wachsam sein und sich trauen Hilfe zu rufen. Man macht nie einen Fehler die Rettung zu rufen und die 112 zu wählen. Lieber einmal mehr, als zu wenig. Nicht zögern.
Mit dem Gartenschlauch kann man kein Feuer löschen!
Der wirklich ultimative Tipp ist aber selbst zur Feuerwehr zu kommen und sich zu beteiligen. Egal ob in unseren Ort oder in ganz Deutschland. Wir sind alle froh, wenn wir mehr aktive, aber auch passive Mitglieder bekommen, die mit der gleichen Leidenschaft wie wir bei der Sache sind!”

Bilder

Foto: Feuerwehr Menz
Foto: Feuerwehr Menz
Foto: Feuerwehr Menz
Foto: Feuerwehr Menz
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Foto: Feuerwehr Menz
Foto: Feuerwehr Menz
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