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Möckern: Jahresanfangsinterview mit Bürgermeister Frank von Holly

Interview
  • Erstellt: 08.01.2022 / 10:40 Uhr von mz
Das neue Jahr ist erst wenige Tage alt. Grund genug um zu berichten, was das Jahr 2022 im Jerichower Land bringt. Heute geht es um die Gemeinde Möckern. Dazu haben wir mit Bürgermeister Frank von Holly gesprochen: 

1. Was waren aus Ihrer Sicht die drei besten Ereignisse für die Stadt Möckern in 2021 und warum?

- 100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Rietzel am 28.8.2021. Weil das eine unserer 27 Feuerwehren ist, auf die wir uns ständig verlassen können und die uns alle helfen, wenn wir Hilfe brauchen. Trotz der aktuellen Situation haben sie die Kraft gefunden zusätzlich dieses Jubiläum vorzubereiten und allen Gästen Lebensfreude zu vermitteln. Die Kameraden haben gezeigt, es lohnt sich für andere da zu sein, denn dann hat man selber mehr vom Leben.

- 31 Jahre "Tag der deutschen Einhet" am 3.10.2021. Zu diesem Jubiläum besuchten uns wieder die Freunde aus Dassel. Wir waren gute Gastgeber (das haben sie zumindest gesagt :-) und viele weitere Gäste hatten die Möglichkeit in Erinnnerungen zu schwelgen und auf die "wilden" Jahre zurückzublicken. Ich weiß, dass nicht alle diesen Tag so rosig sehen wie ich. Ich bin ehrlichen Herzens noch heute danbar für dieses Geschenk, die "Deutsche Einheit". Wir können uns überall umsehen, es sind wirklich blühende Landschaften entstanden! Alle Zweifler lade ich gerne zu einer Stadtrundfahrt ein.

- Die Fertigstellung des Radweges in Wallwitz! Skepiker sagen zu Recht: Ja, das hat aber 12 Jahre gedauert! Als Optimist freue ich mich, dass es gelungen ist, das Land zu überzeugen, dass dieser Weg wichtig ist und wir jetzt die Verbindung bis Vehlitz gemeinsam mit dem Land und der Stadt Gommern in Angriff nehmen.

- gestatten Sie mir ein P.S. : die Eröffnung des NETTO-Narktes in Theeßen gehört unbedingt dazu. Die Theeßener Räte haben schon 1993 bei ihrem Bebauungsplan eine Verkaufsfläche ausgewiesen, nur leider hat sich nie jemand ernsthaft dafür interessiert. Ich habe auch nicht auf Erfolg gehofft, aber seit 2005 immer wieder mit Unternehmen darüber gesprochen. Jetzt ist es an uns, dieses Angebot zu nutzen, damit es erhalten bleibt! Das Vorhaben zeigt: der Fläminger Bereich unserer Stadt hat Potential und ist uns wichtig!

2. Was waren die drei größten Herausforderungen?
- Der Haushaltsplan 2021. Seit Jahren haben wir trotz vieler Probleme recht schnell und zielorientiert einen ausgeglichenen Haushalt aufgestellt und beschlossen. Dieses Jahr haben Steuereinnahmen in 2019 (also etwas Gutes!) Probleme gemacht. Ca. 830 T€ konnten im Plan nicht ausgeglichen werden. Das liegt am Land, von dem wir 2021 weniger bekommen haben (weil wir es 2019 hatten) und dem Kreis, dem wir mehr zahlen müssen (weil wir es 2019 hatten). Das ist wie mit einer Steuererklärung, wo man später mehr zahlt, weil man mehr verdient hat, auch wenn man aktuell nichts bekommt.

Diese Situation haben wir unzureichend kommuniziert und uns so unnötig das Leben schwer gemacht. Die gute Nachricht jetzt ist: Wir haben in 2021 unser bestes Gewerbesteuerergebnis erreicht! Die Arbeit der letzten Jahrzehnte hat sich gelohnt! Deshalb hier ein großes Dankeschön an alle Unternehmen und ihre Mitarbeiter in unserer Stadt!

- Die Eröffnungsbilanz zum 1.1.2013! Das ist ja jetzt schon 9 Jahre her. Aktuelle Zahlen sind das nicht. Aber wir hatten viele personelle Veränderungen im Bereich der Finanzen meistern müssen. Das Tagesgeschäft hatte dabei immer Vorrang. Den Räten und dem Landkreis bin ich dankbar für ihre Geduld mit uns. Jetzt ist der Jahresabschluß 2013 auch fertig. Aber das Ziel: ein aktueller Jahresabschluß, ist noch weit hin! Die gute Nachricht ist, wir haben 2013 mit einem positiven Ergebnis abgeschlossen!

- Corona selbst! Nicht finanziell, sondern für die Menschen! Ständige Veränderungen. Neue Vorschriften. Kinder, die zu Hause sind, statt in der Schule oder im Kindergarten. Eltern, die zu Hause arbeiten sollen und gleichzeitig ihre Kinder unterrichten. Unternehmen, die nie wissen, wer kommt morgen nicht zur Arnbeit oder welches Material wird knapp? Vor allem fehlte mir die Kommunikation von Zuversicht. Wir haben es versucht. Wir haben für Eltern Möglichkeiten geschaffen, wo sie machbar waren, habe Mietern und Schuldnern zur Seite gestanden und auch so manchen"Zirkus" ausgehalten. Im Mittelpunkt standen für uns immer die Menschen. Dafür hatten wir Zeit und dafür bin ich allen Mitarbeitern dankbar! Zum Glück gibt es seit Anfang 2021 Impfangebote, die wir nutzen können.

3. Welche Ziele gibt es für die Stadt 2022? Wo, wird was investiert?
- Wir geben wieder viel Geld aus! Freiwillige Aufgaben stehen oft im Mittelpunkt, weil wir unsere Pflichten trotzdem erfüllen können! So wird unsere Stadt wieder schöner und lebenswerter! Die Investitionen in den Sozialtrakt des Möckeraner und Ziepler Schwimmbades und die Dorfgemeinschaftshäuser in Magdeburgerforth, Zeppernick und Grabow zeigen das deutlich.

Auch bei der Digitalisierung unserer Grundschulen und der Sanierung der Turnhalle in Grabow geben wir viel Geld aus, weil wir es uns finanziell leisten können. Probleme haben wir allerdings mit unseren Personalresorcen. Hier müssen wir darauf achten, dass wir die Mitarbeiter fordern, ohne sie zu überfordern. Deshalb ist es wichtig Anfang des Jahres 2022 gemeinsam mit den Räten über Prioritäten zu sprechen, die wir dann nacheinander abarbeiten. Dies haben wir 2021 erstmals gemacht und waren bei der Umsetzung erfolgreich. Hinzu kommen zahlreiche Investitionen von Unternehmen, wie WEINOR, Wiesenhof oder NOKERA (in Stegelitz). Dies gibt mir Zuversicht für 2022.

4. Was möchten Sie 2022 unbedingt für Ihre Stadt in Angriff nehmen? Was hat Priorität?
- Priorität haben für mich die begonnenen Vorhaben. Dazu gehört neben den schon genannten Projekten die Turnhalle in Rosian ebenso, wie die Forststraße in Schweinitz, die Wohnungen in Friedensau, die Trauerhallen in Theeßen und Hohenziatz oder das neue Löschfahrzeug für die Möckeraner Wehr. Auch bei der Löschwasserbereitstellung durch Zisternen bleibnen wir aktiv. Mein persönlicher Favorit ist die Umsetzung der Idee von Robert Waldmann (Ortsbürgermeister von Reesdorf). Die Gestaltung eines "Kinderwaldes" gegenüber dem Waldbad in Möckern. Hierzu sind aber noch weiterführende Beratungen des Kulturausschusses erforderlich.

5. Welcher war Ihr Lieblingsaugenblick 2021 und warum?
- Die Mitteilung vom Landkreis Ende November, dass die Baugenehmigung für die erste Halle von NOKERA erteilt wurde! Warum? Das ist einfach ein riesiges Projekt, eine riesige Chance für uns alle und bisher läuft alles "wie am Schnürchen"! Angefangen hatte alles 2005 mit der Idee RPP (Red Pacel Post). Wir haben viel Arbeit in die Idee gesteckt, hatten 2010 endlich einen Bebauungsplan und seit letztem Jahr den Kreisverkehr. Viele haben gelächelt und gefragt wofür? Langsam zeigen sich die Konturen dieser Idee. Ja sie ist jetzt anders als 2005, aber sie ist noch immer gigantisch! Ein wirklich gutes Beispiel, dass solide Arbeit Zeit und Vertrauen braucht! Ich versichere Ihnen, das bleibt spannend und wir brauchen auch hier weiterhin viel Geduld und Kraft!

6. Inwiefern hatte Corona für Ihre Stadt Auswirkungen, und für die Bürger der Stadt? Welche Herausforderungen mussten Sie meistern?
- Da ich mich zu Corona schon geäußert habe, jetzt nur kurz:
a) die Entscheidung Mitte März, wir bereiten die Schwimmbadsaison vor, war richtig, deshalb konnten wir öffnen, als es möglich war und viele Gäste haben dieses Angebot dankbar angenommen.
b) die Vermietung der alten Badeansgtalt in Loburg an Christian Werner. Er hat mit seinen Leuten und neuen Ideen uns einen schönen Sommer beschert!
c) die Vereinsarbeit, insbesondere Kinder wurden und werden stark eingeschränkt. Wir müssen weiterhin versuchen, das Mögliche zu machen. Wir haben in diesem Bereich viel zu verlieren!
d) Kaum jemand hat gefragt warum z.B. Verkäuferinnen jeden Tag relativ ungeschützt im Laden dafür gesorgt haben, dass wir alles haben, was wir brauchen, während viele Betriebe und vor allem Landesbehörden für Kunden dicht gemacht haben, obwohl dort kaum Risiken bestanden.
Ich hoffe, wir lernen es besser mit dieser neuen Situation umzugehen. Diese Hoffnung lebe ich seit April 2020! Ich glaube, wir sind insbesondere im Hinblick auf Rücksichtnahme auf Andere noch entwicklungsfähig! Aber der Anfang ist gemacht!
7. Wie werden Sie künftig mit der Corona-Pandemie in Ihrer Gemeinde umgehen? (Gibt es Änderungen in der Verwaltung, mehr Kontrollen in Betrieben, Unterstützung von Unternehmern etc.?)

- Wir haben im Rathaus Termine für Beratungen mit Bürgern vereinbart und damit gute Erfahrungen gemacht. Vor allem entfallen seitdem oft unnnötige Wartezeiten. Dies werden wir beibehalten. Ansonsten bleibt unser Ziel, das Mögliche zu realisieren und bei Bedarf zu helfen!

Nochmals Vielen Dank für diese Gelegenheit über unsere Stadt zu berichten. Ich hoffe es ist mir gelungen Sie alle neugierig auf 2022 zu machen. Ich bin mir sicher, es wird spannend und schön, wenn wir alle ein bißchen mitmachen und frohen Mutes sind.

Dies und vor allem Gesundheit wünscht Ihnen und sich
Ihr Frank von Holly!
Bürgermeister der Stadt Möckern.

Bilder

Bürgermeister der Stadt Möckern, Frank von Holly. Foto: privat
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