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Eine Ära geht zu Ende: Feuerwehr-Legende Walter Metscher legt sein Amt nieder

Interview
  • Erstellt: 31.12.2021 / 08:03 Uhr von aw
Nach 47 Jahren in der Freiwilligen Feuerwehr Biederitz und davon 20 als Kreisbrandmeister legt Walter Metscher heute sein Ehrenamt endgültig nieder. Im Interview verriet er uns, wie er Kreisbrandmeister wurde, wieso er so lange bei der Feuerwehr tätig sein konnte und was er jetzt mit 66 mit seinem Leben anfängt.

Meetingpoint JL: Sie geben zum 31.12.2021 ihr Amt als Kreisbrandmeister ab. Was genau waren ihre Aufgaben, wie viele Jahre waren sie im Amt und wie fühlen sie sich damit?

Walter Metscher: „Der Kreisbrandmeister ist ein ehrenamtlicher Posten im Landkreis, bei dem ich für alle 91 örtlichen Feuerwehren zuständig bin. Dabei gehört vor allem Kommunikation zu meinen Aufgaben, Kontakt zu den Kommunen, vor allem wenn es um die Beschaffung von Brandschutztechnik geht, bei Fördermitteln oder auch bei der Gründung von Kinder- und Jugendfeuerwehren. Eigentlich sieht jeder Tag anders aus, das ist es auch, was mir daran so viel Spaß macht.

Als Kreisbrandmeister war ich jetzt fast 20 Jahre aktiv. Hervorgerufen durch das große Hochwasser 2002, weil es damals keinen gab und mir die Führungsposition zuvor in Biederitz auch lag. Das Amt wollte ich eigentlich nur sechs Jahre, also eine Legislaturperiode, ausführen. Jetzt bin ich mit den 20 Jahren die es geworden sind aber auch sehr glücklich.

Die Entscheidung aufzuhören fiel nicht von heute auf morgen. Meine Familie steht bei der Sache total hinter mir. Meine Kinder sind in der Berufsfeuerwehr, meine Frau ist auch feuerwehrverrückt. Die halten mir alle den Rücken frei und sind eine große Unterstützung. Im Vorfeld haben wir geplant, dass ich auch mit dem Renteneintritt meiner Frau das Amt niederlege und wir dann unsere Pension ohne Termine genießen. In der Feuerwehr hatten wir schon eine ganze Weile einen Nachfolger gesucht und schließlich gefunden. So kann ich guten Gewissens aufhören.”

Meeting Point JL: Was hat sie damals zur Feuerwehr bewegt und was konnte sie so sehr begeistern, dass sie so lange ehrenamtlich tätig waren.

Walter Metscher: „1974 bin ich offiziell in die Feuerwehr Biederitz eingetreten. Davor war ich schon zwei Jahre bei den jungen Brandschutzhelfern der FFW Biederitz. Seit dem kam jedes Jahr immer etwas neues dazu. So habe ich mich immer für Technik interessiert und bin Gerätewart geworden, später war ich in der Führungsriege und als stellvertretender Abschnittsleiter im Brandschutzabschnitt Biederitz-Gommern tätig. Und jetzt bin ich seit dem Hochwasser 2002 Brandschutzmeister im JL. Dabei hat es mir immer gefallen mit Menschen zu sein und ihnen zu helfen. Wir hatten immer einen tollen Zusammenhalt in der Feuerwehrgemeinschaft und auch die Gewissheit helfen zu können und gebraucht zu werden ist ein Antrieb.”

Meeting Point JL: Sie sind neben ihrer Berufung als Brandmeister auch noch Schornsteinfeger. Wie kamen Familie und ihre beiden Leidenschaften über die Jahre immer unter einen Hut?

Walter Metscher: „Ich war ja Handwerksmeister, bzw. Schornsteinfegermeister bis Ende 2018. Seitdem bin ich pensioniert. In all den Jahren kam ich immer mal wieder zu spät zu einem Auftrag oder musste Kundentermine verschieben, aber es gab nicht einen, der sich je beschwert hat, dass ich zu spät kam oder es länger gedauert hat.

Alle hatten Verständnis, dass es durch die Feuerwehr zu Verzögerungen kommen konnte. Den Rückhalt aus meiner Familie hatte ich sowieso. Meist war ich ab 6 Uhr morgens bereit für Kunden und Aufträge. Als Handwerker kann man ja nicht nach 8h das Werkzeug einfach fallen lassen und hat Feierabend. So hab zwischendurch Feuerwehrtätigkeiten und auch Besorgungen für die Familie gemacht. Ich war immer auf 100%, war immer für alle da und immer auf Achse. Ich hatte nie Langeweile.”

Meeting Point JL: In 47 Jahren passiert viel. An welche Einsätze werden sie sich für immer erinnern?
Walter Metscher: „Es gab schwierige Zeiten und auch sehr gute Zeiten. Schlimme Zeiten sind immer, wenn großen Gefahrenlagen, oder schwere Auto- oder Zugunfällen stattfinden und Menschenleben betroffen sind. Solche Situationen prägen und fordern viel Erfahrung. Schöne Erinnerungen stammen aus Feiern und Jubiläen der Feuerwehren. Dabei ist es immer toll zu sehen, wie die FFW sich entwickelt haben nach der Wende, auch wie sich die Kinder- und Jugendfeuerwehren entwickeln und wie alles groß wird und funktioniert. Sich in zivil irgendwo zu treffen und miteinander zu quatschen ist auch immer richtig toll. Gute Erinnerungen macht auch die gute Kommunikation mit dem Land und untereinander. Die Arbeit mit Menschen an sich machte mir immer Freude. Die täglichen Herausforderungen und Geschichten die man erlebt kann man gar nicht so schnell vergessen.”

Meeting Point JL: Der neue Kreisbrandmeister Maik Friedrich steht in den Startlöchern. Gibt es etwas, was sie ihm als Tipp für die Zukunft mitgeben wollen?

Walter Metscher: „Ich bin sehr zufrieden mit der Wahl. Sollte er mal nicht mehr weiter wissen bin ich Tag und Nacht für ihn da. Das weiß er auch! Ich kann mich beruhigt zurücklehnen, weil ich weiß, dass es alles in gute Hände geht.”

Meeting Point JL: Was steht für sie in 2022 an? Gibt es Pläne mit oder ohne Feuerwehr?
Walter Metscher: „Reisen! Wir haben uns schon lange vorgenommen, dass ich mit dem Renteneintritt meiner Frau eben auch das Amt als Kreisbrandmeister niederlege und wir das Wohnmobil ausfahren können, welches wir uns vor kurzem zugelegt haben. Jetzt kann ich mit meiner Frau endlich mal das machen, wozu wir vorher zu viel planen mussten. Jetzt müssen wir uns nach keinem Termin richten und können einfach so ins Blaue und Grüne fahren. Da freuen wir uns beide richtig doll drauf!

Außerdem bin ich auch noch im Gemeinderat tätig, da habe ich noch genug zu tun. Ich möchte auch keine Langeweile haben. Weil ich so ein Unruhepol bin, brauche ich Bewegung und Kontakte mit Menschen. Ich bin immer noch für alle da, nur mit etwas weniger Terminen. Ganz nach dem Motto “Wenn du nicht mehr weiterweißt, dann ruf mich an”. Es gibt sogar schon Anfragen von anderen ehrenamtlichen Organisationen, aber erstmal will ich mit meiner Frau an die Mosel und die Nordsee fahren.”

Meeting Point JL: Möchten sie abschließend noch etwas loswerden?
Walter Metscher: „Wichtig ist, dass die Menschen zusammenrücken, auch angesichts der Pandemie. Wir sollten andere mit unserer Impfung schützen und dafür sorgen, dass der Zusammenhalt mit und die Achtung gegenüber anderen Menschen wieder wächst und man vielleicht auch mal an ältere Leute denkt und diese unterstützt. Fasst euch an die eigene Nase und fragt euch, was euch im Alter fehlen würde. Ich würde gerne den Egoismus etwas mindern. Jeder sollte bei unseren Lebensverhältnissen an die Lebenssituation in anderen Ländern denken und verantwortlich handeln, dass es allen gut geht.”

Das Meeting Point JL-Team wünscht Herrn Metscher eine entspannte Rente ohne Langeweile und immer genügend Sprit im Wohnmobiltank. Genießen sie Ihre Unabhängigkeit und den freien Terminkalender! Danke für Ihr Ehrenamt!

Bilder

Kreisbrandmeister Walter Metscher. Quelle: eb
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