Fast elf Monate nach dem Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt hat heute vor dem Landgericht Magdeburg der Prozess gegen den Angeklagten Taleb A. begonnen. Die Verhandlung startete unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen in der eigens dafür errichteten Gerichtshalle am Jerichower Platz. Das ist heute passiert:
Die Generalstaatsanwaltschaft Naumburg klagt den 51-jährigen Arzt aus Saudi-Arabien unter anderem wegen sechsfachen Mordes und 338-fachen versuchten Mordes an. Dem Angeklagten droht im Falle einer Verurteilung eine lebenslange Haftstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung. Die aufwühlende Verlesung der Anklageschrift allein dauerte knapp zwei Stunden.
Trotz des medienwirksamen Auftakts blieb der Gerichtssaal aber weit von einer Vollauslastung entfernt. Von den rund 450 verfügbaren Plätzen für die Nebenklage war etwa die Hälfte besetzt – auch im Zuschauerbereich blieben Sitze leer.
Einlassung wird zur Polit-Inszenierung
Der erste Prozesstag war maßgeblich von der stundenlangen, oft wirren und politisch aufgeladenen Einlassung des Angeklagten geprägt.
- Provokanter Auftakt: Bereits zu Beginn hielt der mittlerweile zottelbärtige Taleb A., der in einem kugelsicheren Glaskasten im Saal sitzt, einen Laptop mit der Aufschrift „#MagdeburgGate Sept. 2026“ hoch. Er bezog dies auf die nächste Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, bei der die Menschen die aktuellen Regierungsparteien aus dem Parlament werfen sollten. Der nicht mit dem Internet verbundene Laptop steht ihm zur Einsicht der Akten zur Verfügung.
- Fokus auf krude Thesen: Über weite Strecken (knapp 90 Minuten) nutzte Taleb A. die Zeit, um seine politischen Theorien und verschwörerischen Behauptungen zu verbreiten. Er schilderte islamkritische Geschichten über seine Zeit in Saudi-Arabien, sprach über angebliche Korruption der Säkularen Flüchtlingshilfe in Köln und unterstellte der Magdeburger Polizei, Informationen über seine Mordankündigungen verschwiegen zu haben. Einige Nebenkläger verließen während seiner wirren Ausführungen den Sitzungssaal.
- Reaktion des Richters: Der Vorsitzende Richter Dirk Sternberg musste die Ausführungen unterbrechen, um Taleb A. darauf hinzuweisen, dass keine politischen Statements oder Parolen erlaubt seien. Überwiegend wurde ihm die Rede jedoch gewährt, weil es für das Gericht und den psychiatrischen Sachverständigen wichtig war, die Motivationslage des Angeklagten zu erfahren, da er im Vorfeld nicht mit dem Sachverständigen gesprochen hatte.
Obwohl Taleb A. die meiste Zeit kein Wort über seine Amokfahrt und die vielen unschuldigen Opfer verlor, kam es zu Beginn seiner Stellungnahme zu einer kurzen emotionalen Regung: Mit Taschentuch im Gesicht entschuldigte er sich schniefend bei der Familie des getöteten Kindes. Er brach in Tränen aus, als er eine Erinnerung schilderte, ein Kind auf seiner Amokfahrt getroffen zu haben.
Diese kurze Entschuldigung stand jedoch im Kontrast zur restlichen, zumeist ausdruckslosen Haltung des 51-Jährigen – besonders während der Verlesung der Anklageschrift, bei der die Staatsanwaltschaft detailliert die entsetzlichen Verletzungen der Opfer schilderte. Auch seine Tränen waren schnell verwischt, als er zum politischen Part seiner Ausführungen überging.
Die kommenden Verhandlungstage
Der erste Verhandlungstag wurde gegen 15:30 Uhr beendet.
Die Verhandlung wird morgen um 9:30 Uhr fortgesetzt. Der Richter hat den Angeklagten aufgefordert, sich in seiner fortgesetzten Einlassung dann konkret zu seinen Beweggründen für die Amokfahrt am 20. Dezember 2024 zu äußern.
Der Prozess ist bis Mitte März mit insgesamt 47 Terminen angesetzt. Die kommenden Prozesstage werden voraussichtlich weiterhin von der Aussage des Angeklagten und ersten Zeugenvernehmungen bestimmt sein.
Der Meetingpoint ist für euch wieder ab morgen um 9 Uhr im Live-Ticker dabei.
Kommentare
P.P. schrieb um 19:34 Uhr am 11.11.2025:
Karl schrieb um 23:15 Uhr am 11.11.2025:
Aber natürlich kannn man die Wahrheit so lange für sich verdrehen, bis es passt.
Zeuge schrieb um 20:15 Uhr am 11.11.2025:
der Attentäter ist AfD-Sympathisant, das hat er selbst mehrfach in seiner wirren Ausführung vor Gericht herausgestellt. Daher kommt auch seine wirre Botschaft #Magdeburggate Sep. 2026. Damit bezog er sich nach eigener Aussage auf die bevorstehenden Landtagswahlen im September 2026, bei denen wir die, wie er sagte, deutschlandfeindlichen Parteien CDU, SPD, FDP und Grüne abwählen sollen. In seiner wirren Vorstellung wollte er Deutschland mit dem Anschlag schaden, um zu zeigen, wie verwundbar wir sind. Das alles geht aus seiner eigenen, wie er selbst hervorstellte, Islamfeindlichkeit hervor. Er selbst verglich sich mit dem wohl ersten Islamkritiker Voltaire. Der Anschlag sollte in seiner wirren Weltanschauung dazu dienen, über die Gefahren durch den Islam aufzuklären.
Also lieber P.P., es passt natürlich nicht in Ihr Weltbild, aber in diesem Fall ist das aus erster Quelle, nicht vom ZDF oder MDR. Das sagte der Attentäter selbst. Ich war dabei! Nehmen Sie die Wahrheit an und erkennen Sie ggf., dass die Polemik und der geschürte Hass gegen Religionen und Ausländer, der durch die AfD salonfähig gemacht wird, eventuell dazu beigetragen hat, dass dieser Mensch sich in seinen Taten bestärkt gefühlt hat.
Wir alle sollten denken und recherchieren, bevor wir reden, denn wenn wir das annehmen, was nicht sein kann, dann haben wir es aufgegeben, unser Schicksal selbst zu lenken. In dem Fall werden dann andere für Sie denken und Ihnen wird bestimmt, was Sie zu denken haben. Dazu sollten wir es nicht kommen lassen.
Engagieren Sie sich lieber für eine hassfreie Welt und nennen Sie den Attentäter nicht einen Ausländer, sondern bezeichnen Sie ihn als das, was er ist: einen fehlgeleiteten Menschen, meinetwegen ein Monster, einen Idioten oder Mörder. Denn das ist er schlussendlich. Aber wenn Sie ihn, wie die AfD es auch macht, als schuldigen Ausländer bezeichnen, dann beleidigen Sie die Menschen, die auch am Tag des Anschlags und danach dafür gesorgt haben, dass in den Krankenhäusern die Verletzten versorgt werden. Die Pflegekräfte, die sich derzeit um unsere Alten kümmern oder Jobs erledigen, bei denen wir einen noch größeren Notstand ohne sie hätten. Einfach die Menschen, die ein wertvoller Teil dieser Gesellschaft geworden sind und die freiheitlichen Werte unseres Deutschlands jeden Tag mit ihren Fähigkeiten verteidigen und mit Leben füllen. Das sind viele und die Idioten, die Menschen Schaden zufügen, sind wenige. Bitte also nicht alle über einen Kamm scheren, das hat noch nie geholfen und ist für die Absolute Wahrheit einfach zu stupide gedacht.
Also bitte nicht kampflos verdummen und dumpf einer ausländerfeindlichen Politik hinterherrennen. Selbst denken und informieren!
Fragender schrieb um 12:09 Uhr am 11.11.2025:
wenn hier Einer hetzt sind es ja wohl SIE.
Ist das die Toleranz von der der sogenannten Mainstream immer spricht?
Wer da anderer Meinung ist wird an den Pranger gestellt.
Fragender schrieb um 21:55 Uhr am 10.11.2025:
Erste Weihnachtsmärkte, incl MD , werden abgesagt. Ist das die Vielfalt von der die Linksalternativen sprechen.
Karl schrieb um 01:21 Uhr am 11.11.2025:
Was haben linksalternative damit zu tun?
Soweit ich das im Saal mitbekommen habe, ist der Attentäter sogar afd-sympathisant.
Hauptsache gegen irgendwen hetzen.....