Seit dem 7. Oktober ist Fregattenkapitän Sebastian Rades Kommandeur des Logistikbataillons 171 „Sachsen-Anhalt“ in Burg. Mit ihm übernahm ein erfahrener Offizier das Kommando, der den Standort bereits aus seiner Arbeit im Regimentsstab kennt. Regimentskommandeur Oberst Christoph Schladt schätzt Rades als Führungspersönlichkeit mit Weitblick und Gestaltungskraft.
Meetingpoint hat mit dem neuen Kommandeur über seinen Werdegang, seine Visionen, die Aufgaben des Truppenteils sowie die Wahrnehmung der Bundeswehr in der Bevölkerung gesprochen.
Der 42-jährige Fregattenkapitän ist verheiratet und Vater einer 11-jährigen Tochter. Nachdem er drei Jahre in den USA, bei der NATO, eingesetzt und dann nach Burg versetzt wurde, verlegte er seinen Lebensmittelpunkt nach Gommern.
Zu Beginn des Gespräches wollten wir wissen, was ihn dazu bewogen hat die Verantwortung für ein Bataillon zu übernehmen.
„Ich bin seit 2003 Soldat. Auch wenn ich heute den Offiziersrang eines Fregattenkapitäns habe, bin ich nicht zur See gefahren. Ich habe meine Grundausbildung bei der Marine absolviert, ein Jahr Offiziersschule, dann etwas mehr als drei Jahre Studium und schließlich noch einmal ein Jahr Fachausbildung. Der Bereich Logistik, hat mich schon immer interessiert. So dass ich gleich nach meiner Ausbildung dorthin gewechselt bin.“
Sein heutiger Dienstgrad entspricht dem eines Oberstleutnants des Heeres. Für die Position als Bataillonskommandeur, hat er sich durch die sogenannte Bestenauswahl qualifiziert.
Seinen Führungsstil beschreibt er als sehr ruhig und überlegt, aber auch kollegial. Er will in seinem Handeln für die anderen Offiziere immer transparent sein.
Wir wollten wissen, welche Ziele er sich für das Bataillon gesetzt hat und wie er diese erreichen möchte. „Das Wichtigste ist, dass wir den guten Ausbildungsstand der Soldaten unbedingt halten! Dies wird durch den ständig wechselnden Personalkörper nicht einfach.
Im Rahmen einer Lageverschärfung würde das Bataillon ein Teil des logistischen Netzwerks im Einsatzgebiet sein. Das Bataillon bildet dann den logistischen Knoten zur Versorgung einer Kampfbrigade. Das ist eine große Herausforderung und hohe Verantwortung für jeden einzelnen Soldaten im Bataillon“ erklärt der Fregattenkapitän.
„Wir brauchen also einen konstant hohen Ausbildungsstand und die persönliche Einsatzbereitschaft jedes Soldaten. Dazu gehört auch, dass die Soldaten zuhause alles geregelt haben. Denn zukünftig wird es keine langen angekündigten, befristeten Einsätze geben. Die Alarmierung wird kurzfristig erfolgen und niemand wird vorhersagen können, wo und wie lange der Einsatz andauern wird.“
Die aktuelle Lage und somit auch die Bedeutung der Bundeswehr, sei in der Bevölkerung noch nicht wirklich angekommen, betont er.
Auf die Frage, was ihm im Umgang mit den Soldaten und beim Miteinander im Bataillon besonders wichtig ist, antwortet Sebastian Rades: „Wir als Führungsoffiziere erklären so viel es geht, um das Vertrauen zu stärken und solange die Zeit dafür vorhanden ist. Wenn irgendwann keine Zeit mehr zum Erklären vorhanden sein sollte, ist aber das Vertrauen entwickelt und Entscheidungen werden trotzdem mitgetragen."
Um die Soldaten zu motivieren, setzt der Kommandeur vor allem auf öffentliches Lob, um damit auch andere Soldaten anzuspornen. Besondere Leistungen werden also vor der Truppe gewürdigt und wertgeschätzt.
Die Kompaniechefs und die Stabsoffiziere sieht der Fregattenkapitän als seine Berater. Offene Kommunikation ist ihm dabei sehr wichtig: „Ich möchte meine Aufgabe gut machen und besser werden, dazu gehört auch Kritik anzunehmen.“
Die Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr ist ihm sehr wichtig, gleichermaßen aber auch schwierig: „Die Öffentlichkeitsarbeit ist eine Herausforderung. Es muss viel erklärt werden, aber die Bevölkerung sollte man auch nicht überfrachten. Hinzu kommt, dass viele Informationen sicherheitsrelevant und somit nur schwer vermittelbar sind.“
Zur Öffentlichkeitsarbeit des Bataillons gehört beispielsweise die Möglichkeit zur Teilhabe an öffentlichen Gelöbnissen. Des Weiteren findet der Zukunftstag am 23. April 2026 in der Clausewitz-Kaserne Burg statt. Das Bataillon wird aber auch dem Tag der Bundeswehr in Weißenfels und den Sachsen-Anhalt-Tag in Bernburg unterstützen. Der nächste „Tag der offenen Tür“ wird in der Clausewitz-Kaserne für 2027 geplant.
Wir wollten auch wissen, was ihn in den ersten Tagen und Wochen seiner neuen Funktion am meisten beeindruckt hat: „Die Übernahme war top vorbereitet, es lief alles sehr professionell und ich bin auf hochmotivierte Soldaten getroffen. An dieser Stelle noch einmal ein Dankeschön an Oberstleutnant Fennel.“
In Burg leisten derzeit fast 900 Soldaten ihren Dienst. Hinzu kommen seit Montag noch einmal 75 Soldaten, die ihre Grundausbildung absolvieren. Personell und materiell sei das Bataillon allgemein gut aufgestellt, jedoch gibt es vereinzelt Vakanzen. „Derzeit fehlt mir unter anderem ein Sattler“, so der Kommandeur.
Abschließend haben wir nach seiner Meinung zur aktuellen Diskussion um den Wehrdienst gefragt: „Aus meiner Sicht sollten alle Bürger eines Jahrgangs gemustert werden. Wer schließlich verpflichtend eingezogen wird, haben die politisch Verantwortlichen zu regeln.
Wir bedanken uns bei Fregattenkapitän Sebastian Rades und wünschen ihm bei der Erfüllung seiner Aufgabe als Kommandeur des Logistikbataillon 171 „Sachsen-Anhalt“ in Burg viel Erfolg.
Kommentare