Der Tag begann mit frischer Morgenluft, die nach feuchtem Grün und Wasser roch. Im Hintergrund hörten wir Vogelstimmen und andere Tiergeräusche – ein perfekter Start in den Tag. Nach einem kurzen Blick auf die Karte packten wir langsam unsere Sachen zusammen, schlüpften in lange Hosen und Pullover und machten uns auf den Weg. Unser nächstes Ziel: Dessau.
Auf dem Wasser – langsam, aber bewusst
Seitdem die Saale nicht mehr in die Elbe mündet, merkten wir schnell, dass wir langsamer unterwegs sein müssen als gewohnt. Doch das störte uns nicht – wir hatten Zeit und wollten die Natur genießen. In gefühlter Schrittgeschwindigkeit glitten wir von Buhne zu Buhne, stets in der Fahrrinne.
Nach etwa einer halben Stunde zeigte der Tiefenmesser nur noch 70 cm unter dem Boot an. Kurz darauf waren es nur noch 60 cm – und dann mussten wir stoppen. Trotz angehobenen Propellers erwischten wir einen größeren Stein. Als die Tiefe auf 50 cm sank, entschieden wir uns schweren Herzens zur Umkehr. Das Ziel Dessau würden wir dieses Jahr nicht erreichen. Dennoch: Rund 70 Kilometer hatten wir geschafft – ein gutes Stück!
Auf der Suche nach Kaffee
Auf dem Rückweg erinnerten wir uns an drei mögliche Anlegestellen mit Verpflegung. Die erste entpuppte sich als Stellplatz mit Duschen für Camper. Beim zweiten konnten wir anlegen und betraten mit Kaffeedurst eine Kantine – leer, aber mit den Überresten einer Party vom Vorabend. Kaltgetränke und Snacks waren da, aber keine Menschenseele und kein Kaffee. Wir lachten und stiegen wieder ins Boot.
Die dritte Option war ein Restaurant auf einem alten Schiff – leider öffnete es erst mittags. Also fuhren wir weiter bis nach Barby. Dort hatten wir Glück: Ein freier Bootsstellplatz wartete auf uns. Nachdem wir die Fähre passieren ließen, „parkten“ wir ein.
Barby – ein Dorf voller Leben
Es war noch früh, aber im Dorf herrschte bereits reges Treiben. Die Fähre pendelte zwischen den Ufern, transportierte Autos, Motorräder, Radfahrer und Fußgänger. Ein kleiner Imbiss an der Fähre hatte geöffnet – dort tranken bereits einige ihren Morgenkaffee. Die Ruderer holten die Boote auf der Halle raus und platzierten sie auf dem Rasen am Ufer der Elbe.
Wir folgten unserer Karte zu einem Café mit Garten mit Elbblick. Kanufahrer bereiteten gerade ihre Fahrt vor und grüßten freundlich. Doch am Eingang des Cafés hing ein Schild: „Geschlossene Veranstaltung“. Enttäuscht blickten wir zur Terrasse hoch, wo eine Dame Zeitung las. „Wie kann ich euch helfen?“ fragte sie. „Wir würden nur ein heißer Kaffee trinken wollen, wäre das möglich?“ – „Kommt rein, sucht euch einen Tisch aus, ich habe noch was in der Kanne!“ Sie bot uns sogar Brötchen, Aufschnitt, Marmelade und frisches Gemüse an. „Wir haben später eine Veranstaltung, deshalb habe ich heute kein Frühstücksangebot.“, sagte sie und lächelt. Für uns war das perfekt – fast wie zu Hause. Im Nachgang haben wir erfahren, dass die Dame Doreen heißt und Inhaberin des Lokals ist. Man kennt sich halt im Dorf.
Begegnungen am Imbiss
Gestärkt gingen wir noch zu „Mario“ am Imbiss, um einen Kaffee-To-Go zu holen. Die Leute dort beobachteten uns schon eine Weile und scherzten: „Der Chef ist zum Glück heute nicht da! Wenn er sieht, dass sein Anleger benutzt wird… au backe!“ Wir lachten und kamen ins Gespräch. Zwei Radfahrer gesellten sich dazu. Sie sind seit Mai unterwegs und haben schon über 5000 km zurückgelegt. „Wir sind Rentner und genießen die Zeit!“ Mit diesem Satz verabschiedeten sie sich – und wir uns auch.
Der Abschluss unserer Tour
Nun ging es mit dem Strom die Elbe hinab – deutlich schneller. Zum Mittag hielten wir nochmals beim Mückenwirt an. Die Anlegestelle ist einfach nur top für Gäste die mit dem Boot kommen. Auf dem Weg nach Hohenwarthe begegneten uns Jetskis – ein überraschender Anblick auf der Elbe, denn solche Fahrzeuge verbindet man sonst eher mit dem Urlaub am Meer.
Vor dem „Braunschweiger Loch“, einer Einmündung in ein Naturschutzgebiet, warfen wir den Anker. Etwa 20 Meter vom Strand entfernt standen wir nur knietief im Wasser – fast schon im Fahrwasser. Mit einem kühlen Getränk und der Sonne auf der Nase ließen wir die Tour ausklingen.
Fazit: Die Kraft der Natur
Die nächste Tour ist bereits grob geplant – ob noch dieses Jahr oder erst im nächsten, wird sich zeigen. Unser Fazit: Die Zeit in der Natur ist unbezahlbar. Sie schenkt Kraft und erinnert uns an Dinge, die im Alltag oft untergehen. Also: Raus mit der Picknickdecke, dem Stand-up-Board oder einfach nur zu Fuß – Hauptsache draußen!