Logo

Magdeburg: Noch etwa 500 Mutterschafe sowie mehr als 100 Lämmer in Obhut des Veterinäramtes

Stadtgeschehen
  • Erstellt: 11.02.2025 / 20:54 Uhr von ub
Seit Anfang Januar informieren wir euch kontinuierlich über die Aufarbeitung der schrecklichen Geschehnisse im Puppendorfer Weg, bei denen viele hundert Tiere zu Tode gekommen sind. Um euch umfassend zu informieren, haben wir bei verschiedenen Behörden und Institutionen um die Beantwortung unserer Fragen gebeten.

Am Dienstag, 11. Februar, erreichte uns eine erste ausführlichere Information aus der Stadtverwaltung Magdeburg. Nachfolgend die Antworten zu unseren Fragen:

Wie viele Schafe und Ziegen wurden bei den Maßnahmen am 4. und 5. Januar 2025 sichergestellt?
„Bei dem Einsatz am 4. Januar 2025 befanden sich ca. 1.100 Schafe und Ziegen auf dem Grundstück Berliner Chaussee. Ca. 200 Tiere waren bereits tot, ca. 250 Tiere mussten notgetötet werden. Die noch ca. 650 lebenden Schafe sowie ca. 50 Ziegen wurden von Mitarbeitenden des Gesundheits- und Veterinäramtes in Obhut genommen.

Mehrere Tierkadaver wurden zu Untersuchungszwecken an das Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt in Stendal (LAV) verbracht. Die dort erfolgte forensische Sektion ergab keinen Hinweis auf tierseuchenrechtlich relevante Erreger. Die weiteren Ergebnisse der Untersuchung stehen noch aus.“

Wie viele Tiere anderer Tierarten und -rassen wurden sichergestellt?
„Weiterhin wurden 5 Esel, 1 Maultier sowie 2 Ponys amtlich sichergestellt und anderweitig untergebracht. Des Weiteren befanden sich 14 Herdenschutz- und Hütehunde auf dem in Rede stehenden Grundstück.
Die Hunde waren von einem unauffälligen Ernährungs- und Allgemeinzustand, einzig der Pflegezustand der Tiere war als mäßig zu bezeichnen.“

Wie viele Tiere, welcher Tierarten und -rassen wurden zur Betreuung in andere Einrichtungen übergeben?
„13 Tiere wurden amtlich sichergestellt und in das Tierheim der Landeshauptstadt Magdeburg sowie in eine Tierpension im Zuständigkeitsgebiet verbracht.
Die Hunde waren von einem unauffälligen Ernährungs- und Allgemeinzustand, einzig der Pflegezustand der Tiere war als mäßig zu bezeichnen.“

Wie viele der geretteten Tiere sind seit dem 5. Januar verendet bzw. wurden getötet?
„250 der auf dem Grundstück vorgefundenen Tiere befanden sich in einem Zustand, der mit erheblichen Leiden einherging und mit dem Leben unvereinbar war, sodass die Nottötung aus Tierschutzgründen angeordnet werden musste.“

Wo liegt derzeitig das Hauptaugenmerk bei der Pflege der Tiere im Puppendorfer Weg? Wer leitet die Maßnahmen im Objekt Puppendorfer Weg?
„Im Rahmen der Betreuung der Herde werden Einstreu- und Futtermittel regelmäßig verwendet und nachbestellt. Zudem wird eine engmaschige tierärztliche Betreuung der Herde mit eigenen und externen praktizierenden Tierärzten sichergestellt. Weiteres Personal zur Pflege und Betreuung der Tiere ist ständig vor Ort. Weiterhin wurde in Zusammenarbeit mit den SWM bereits am 07.01.2025 ein Wasseranschluss geschaffen. Bis zu diesem Zeitpunkt stellte die Feuerwehr Magdeburg Trinkwasser bereit.

Im Rahmen der regelmäßigen tierärztlichen Bestandsbetreuung durch einen externen praktizierenden Tierarzt wurden und werden Tiere untersucht sowie nach gegebener Indikation behandelt. In Einzelfällen musste im Zuge dessen nach reiflicher Abwägung die schmerzlose Tötung aus Tierschutzgründen erfolgen.

Aktuell erholen sich die Tiere von den Strapazen der Vergangenheit, zudem lammen viele der Mutterschafe erfolgreich ab, sodass die Tiere vor allem Ruhe brauchen und sich der Platzbedarf erheblich erhöht hat. Aus diesem Grund wurden nunmehr die 162 Schafböcke sowie die 46 Ziegen anderweitig in Pflege verbracht.
Derzeit befinden sich Stand 10.02.25 somit noch rund fast 500 ausgewachsene Mutterschafe sowie deren rund über 100 Lämmer auf dem Grundstück in der Berliner Chaussee. Täglich kommen derzeitig zwischen 5 und 25 neugeborene Lämmer hinzu.
Die noch trächtigen Auen wurden von den Mutterschafen separiert, um das Ablammungsmanagement und das Umsorgen hochtragender Tiere und der Lämmer weiter zu optimieren.

Die behandelnden Tierärzte gehen entgegen verschiedenen Behauptungen nicht von einem meldepflichtigen Infektionsgeschehen („Moderhinke“) innerhalb der Herde aus. Vielmehr handele es sich um ausgezehrte und teils sehr alte Tiere. Einige Tiere zeigen aufgrund des mangelhaften Pflegezustandes der Klauen Lahmheiten, dies sei aber nicht das primäre Problem des Tierbestandes.
Die Tiere werden ihrer Art sowie ihren Bedürfnissen entsprechend in Abhängigkeit vom individuellen Gesundheitszustand bestmöglich gepflegt und ernährt.
Bezüglich der Fütterung hat sich das Gesundheits- und Veterinäramt strikt an die Weisungen des externen bestandsbetreuenden Tierarztes gehalten.“

Da es Anfragen von Personen gibt, die ihre Tiere bei Astrid B. in Obhut gegeben hatten, möchten diese nun wissen welche Möglichkeiten sie haben, ihre Tiere wieder zurückzubekommen. Dazu informiert Dr. Gottschalk wie folgt:
„Tiere, für welche dem Gesundheits- und Veterinäramt ein geeigneter Herkunftsnachweis (Equidenpass, Ohrmarkennummer etc.) vorliegt, können unter Vorbehalt zurück zu ihren ursprünglichen Eigentümern gegeben werden, sofern die dortigen Haltungsumstände dies erlauben.
Tierhalter, die Eigentumsansprüche angemeldet haben, wurden entsprechend angeschrieben und aufgefordert, sich innerhalb einer angemessenen Frist beim Gesundheits- und Veterinäramt zu melden."

Auch auf die Frage zu den anfallenden Kosten und wer diese zu tragen hat, gab es eine Antwort:
„Die anfallenden Kosten werden von der Landeshauptstadt Magdeburg getragen.
Die Kostenhöhe für den Einsatz sowie die Versorgung, Unterbringung und Pflege sowie die externe tierärztliche Betreuung der in Obhut genommenen Tiere kann derzeit noch nicht beziffert werden. Der Kostensatz wird im Nachgang des Verfahrens von der Verwaltung aufgestellt."

Etwas ausweichend war die Antwort auf unsere folgende Frage.
Wann wurden die letzten Kontrollen, vor dem Aufkommen des Skandals, seitens des Veterinäramtes im Puppendorfer Weg durchgeführt und was hatte man damals für ein Bild von der Situation protokolliert?
„Das Gesundheits- und Veterinäramt der Landeshauptstadt Magdeburg pflegt mit den anderen involvierten Gebietskörperschaften einen Informationsaustausch in Bezug auf diese sowie auch auf andere gebietsübergreifende Tierhaltungen. Den zuständigen Landesverwaltungsorganen und Ministerien ist diesseits ausführlich berichtet worden.“

Weitere Fragen, auch der Wunsch nach einem Vor-Ort-Termin, wurden nicht beantwortet.
„In Absprache mit der ermittelnden Polizeibehörde Magdeburg ist die Landeshauptstadt Magdeburg aus ermittlungstaktischen Gründen nicht befugt, Angaben über beteiligte Personen oder Sachverhalte zu machen. Selbstverständlich erfolgt die interne Aufarbeitung. Im Ergebnis wird in den Gremien der Landeshauptstadt ausführlich berichtet.

Die aktuelle Situation ist für das Gesundheits- und Veterinäramt der Landeshauptstadt Magdeburg außergewöhnlich und stellt an die Mitarbeitenden extreme Belastungen, die diese im besten Sinne für die in Obhut genommenen Tiere auch unter Inanspruchnahme von Amtshilfen bewältigen.“

Wir haben Kontakt zu einigen Zeugen, die am 4., 5. und einige auch am 6. Januar vor Ort waren. Alle sind traumatisiert von dem Erlebten. Deshalb haben wir nachgefragt, ob es für diese Personen, auch für die Feuerwehrleute sowie die eingesetzten Polizisten eine entsprechende psychologische Betreuung bzw. Nachsorge gibt:
„Dem Gesundheits- und Veterinäramt der Landeshauptstadt Magdeburg sind keine Fälle zur Kenntnis gelangt, in denen Einsatzkräfte einer medizinischen Nachbehandlung bedurften. Einzelne Helfende haben sich freiwillig und selbstständig einer prophylaktischen Untersuchung unterzogen.“

Mit diesen Informationen aus der Stadtverwaltung Magdeburg sind bei weitem noch nicht alle Fragen beantwortet bzw. geklärt. Natürlich müssen einige Sachverhalte zunächst intern aufgearbeitet werden. Wir werden weiterhin auf die Beantwortung aller Fragen drängen, um euch über den gesamten umfang dieser Ereignisse sowie deren Aufarbeitung, sei es nun gerichtlich oder innerhalb einer bzw. mehrerer Behörden, zu informieren. Denn einen derartigen Tierhaltungsskandal gilt es für die Zukunft zu verhindern!


Diese Artikel könnten zu dem Thema auch interessant sein:

08.02.2025 - [Magdeburg/Gollbogen: Astrid B. hat jahrelang keine Sozialabgaben abgeführt]

02.02.2025 - [Magdeburg: Staatsanwaltschaft ermittelt nach Schafskandal auch gegen das Veterinäramt]

01.02.2025 - [Magdeburg: Immer noch viel zu viele offene Fragen im Tierhaltungsskandal]

25.01.2025 - [Magdeburg: Verendete Schafe nun auch Thema auf der Sitzung des Stadtrates]

17.01.2025 - [Magdeburg: Astrid B. ist untergetaucht, entzieht sich dem Zugriff der Behörden]

15.01.2025 - [Magdeburg: Geldnot führte zum qualvollen Tod von 400 Schafen]

15.01.2025 - [Magdeburg: Aufmerksame Bürgerin macht dem Veterinäramt große Vorwürfe]

14.01.2025 - [Magdeburg: Verwaltung äußert sich zu Vorwürfen ans Veterinäramt "Den Schafen an der Berliner Chaussee geht es insgesamt betrachtet gut."]

13.01.2025 - [Magdeburg: Behörden verweigern einer Besitzerin von Schafen den Zutritt]

12.01.2025 - [Magdeburg: Tierskandal weitet sich aus - Helden für Tiere erstatten Anzeigen]

11.01.2025 - [Nach Auffinden toter und verletzter Schafe wird nun Kritik ans Veterinäramt Magdeburg laut]

10.01.2025 - [Jerichower Land: Landrat Burchardt zum Fund toter Schafe im Osten Magdeburgs// Fall weitet sich aus]

05.01.2025 - [Tote und verletzte Tiere wurden aktuell dem Veterinäramt gemeldet]

Bilder

Dieser Artikel wurde bereits 7.818 mal aufgerufen.

Werbung