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Erneut starke Rückgänge bei Krebs-Früherkennungsuntersuchungen in Sachsen-Anhalt

Stadtgeschehen
  • Erstellt: 27.11.2022 / 11:04 Uhr von cl/pm
Die Krebs-Früherkennungsuntersuchungen sind auch im zweiten Pandemiejahr 2021 sowie im 1. Quartal 2022 stark zurückgegangen. Das zeigt eine aktuelle Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zu den Teilnahmezahlen der gesetzlich Versicherten. In Sachsen-Anhalt sind die Rückgänge besonders stark. Das teilte die AOK Sachsen-Anhalt mit.

In Sachsen-Anhalt stärkere Rückgänge als im Bundesdurchschnitt
In der Analyse des WIdO wurden die Teilnahmezahlen für Krebs-Früherkennungsuntersuchungen mit dem Vor-Pandemie-Zeitraum verglichen. Deutlich wird dabei, dass die Zahlen in Sachsen-Anhalt stärker zurückgegangen sind als im bundesweiten Durchschnitt.

Die stärksten Rückgänge gab es in Sachsen-Anhalt im vergangenen Jahr erneut bei der Inanspruchnahme der Hautkrebs-Früherkennung (minus 12,4 Prozent gegenüber 2019, bundesweit minus 11,8 Prozent). Im 1. Quartal 2022, das durch die Omikron-Welle geprägt war, war der Einbruch in Sachsen-Anhalt mit minus 24 Prozent (Bund: minus 19,7 Prozent) gegenüber dem Vergleichs-Zeitraum 2019 sogar noch größer. Die Zahl der Untersuchungen zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs lag im vergangenen Jahr 9,8 Prozent (Bund: minus 7,4 Prozent) unter dem Wert von 2019. Im 1. Quartal 2022 gab es hier ein noch größeres Minus von knapp 13,8 Prozent (Bund: minus 11,9 Prozent).

Stark ist in Sachsen-Anhalt auch der Rückgang beim Mammographie-Screening: Nach einem leichten Zuwachs von 1,2 Prozent (Bund: 4,8 Prozent) im vergangenen Jahr sind die Zahlen im 1. Quartal 2022 um 11,6 Prozent deutlich eingebrochen (Bund: minus 0,7 Prozent).

Weniger ausgeprägt waren die Rückgänge bei der Prostatakrebs-Früherkennung (minus 2,3 Prozent im Gesamtjahr 2021 (Bund: minus 3,4 Prozent) und minus 5,6 Prozent im 1. Quartal 2022 (Bund: minus 4 Prozent). Bei den Koloskopien zur Früherkennung von Darmkrebs gab es im ersten Quartal 2022 sogar ein Plus von 6 Prozent. „Hier wirken sich die Ausweitung des Kreises der anspruchsberechtigten Versicherten und das Einladungswesen positiv aus“, so Nitschke. Betrachtet man allerdings alle Koloskopien, also auch die diagnostischen Darmspiegelungen, sind sie 2021 um 6 Prozent zurückgegangen (Bund: 4 Prozent).

Vorsorge wird laut Forsa-Befragung oft aufgeschoben
Eine Forsa-Befragung im Auftrag des AOK-Bundesverbandes vom Oktober 2022 zeigt grundsätzlich eine hohe Akzeptanz für die Krebsvorsorge: 94 Prozent der rund 1.500 Befragten gaben an, dass sie die Untersuchungen zur Krebs-Früherkennung sinnvoll finden. Allerdings erklärten die Hälfte der Befragten, dass sie das Ausmachen von Terminen zur Gesundheitsvorsorge zumindest ab und zu aufschieben würden. Ein Viertel der Menschen (26 Prozent) gaben an, dass sie wegen anderer Aufgaben keine Zeit und Energie für die Krebsfrüherkennung hätten. 19 Prozent erklärten, schon einmal eine Untersuchung zur Früherkennung über den empfohlenen Kontrolltermin hinausgezögert zu haben, obwohl rückblickend genug Zeit dafür zur Verfügung gestanden hätte.

„Das wichtige Thema Krebsvorsorge sollte man nicht vor sich herschieben“, kommentiert Sven Weise von der Sachsen-Anhaltischen Krebsgesellschaft die Ergebnisse. „Wir möchten die Menschen mit unseren Informationen und gemeinsamen Aktionen zum Tag der Krebsversorge dazu anregen, sich mit diesem oftmals unangenehmen und mitunter auch schambesetzten Thema zu beschäftigen.“

Langfristige Folgen der Einbrüche bei Vorsorge und Diagnostik noch unklar
Die langfristigen Folgen der Rückgänge bei den Früherkennungs-Untersuchungen sind noch unklar. Anlass zur Besorgnis geben insbesondere die Einbrüche bei der Diagnostik von Darmkrebs. Sie könnten perspektivisch zu mehr fortgeschrittenen Krebsfällen führen, weil Tumore später als bisher erkannt werden.

Eine Auswertung von AOK-Abrechnungsdaten aus den Kliniken zeigt in Sachsen-Anhalt bei den Darmkrebs-Operationen von Januar bis August 2022 ein Minus von 16 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2019. Damit gab es zuletzt wieder ähnlich starke Rückgänge wie in den ersten beiden Pandemiejahren. Die Einbrüche in der Pandemie betreffen überwiegend Operationen von Darmkrebs in frühen Stadien, bei denen keine anschließende Chemotherapie notwendig war. Dies könnte mit den Rückgängen bei den durchgeführten Darmspiegelungen in Zusammenhang stehen.

„Ob diese Einbrüche bei den Operationszahlen perspektivisch mehr schwerere Fälle mit höherer Sterblichkeit bedeuten, können allerdings erst längerfristige Analysen von Krebsregister-Daten zeigen“, betont Kay Nitschke von der AOK.

Infos zur Vorsorge gibt es hier: [KLICK]

Bilder

Quelle: AOK
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