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Genthin: Debatte um Erweiterung der Schweinezuchtanlage in Gladau neu entfacht - massive Belastungen für Ortschaft und Tierwohl?

Stadtgeschehen
  • Erstellt: 22.11.2022 / 07:03 Uhr von cl
Immer wieder ist die Schweinezuchtanlage in Gladau Mittelpunkt diverser Debatten in Genthin. Erneute Erweiterungspläne der Betreiberfirma erfahren nun massiven Gegenwind aus dem Ortschaftsrat. Bereits im Jahr 2008 hatte die damals noch eigenständige Gemeinde Gladau erfolgreich Klage vor dem Verwaltungsgericht Magdeburg gegen die erhebliche Erweiterung der Schweinezuchtanlage erhoben. Mit den neuen Erweiterungsplänen leben nun aber die alten Diskussionen wieder auf, so auch gestern Abend im Bauausschuss:

Hintergrund
Im Jahr 1995 wurde mit der immissionsschutzrechtlichen Änderungsgenehmigung die Schweinehaltungsanlage mit 2 376 Großvieh-Einheiten genehmigt. Bereits im Jahr 2008 sollte eine Erweiterung auf rund 5 415 Großvieh-Einheiten beschlossen werden. Dagegen hatte die damals noch nicht zu Genthin gehörende Gemeinde Gladau erfolgreich Klage vor dem Verwaltungsgericht Magdeburg erhoben. Dieses Urteil wurde 2013 durch das Oberverwaltungsgericht bestätigt.

Auf Basis der bislang genehmigten 2 376 Großvhieh-Einheiten, ergibt sich ein genehmigter Tierbestand von 1840 Sauenplätzen, 328 Jungsauenplätzen, 5280 Ferkelzuchtplätzen und 3580 Mastschweinplätzen für die Anlage in Gladau. Nun hat die Betreiberfirma, die GLAVA GmbH, eine Erweiterung der Anlage auf 4 602 Großvieh-Einheiten beantragt. Das ist zwar weniger, als die damals im Jahr 2008 beantragte Erweiterung, aber dennoch wird sich der Tierbestand dadurch verändern.

Geplant sind dann 6 556 Sauen, 863 Zuchtläufern und 32 670 Ferkel. Zum Verständnis: für die Sauen wurde ein Großvieh-Wert in Höhe von 0,45 ermittelt, für Zuchtläufer in Höhe von 0,3 und für Aufzuchtsferkel in Höhe von 0,04. Zum Vergleich: nach dem alten Konzept aus dem Jahr 2019 waren deutlich mehr Tiere in der Anlage vorgesehen, was aber durch die neue Tierschutznutztierhaltungsverordnung nun hinfällig wird.

Ortschaftsrat Gladau stellt sich gegen jegliche Erweiterung
Der Ortschaftsrat in Gladau hatte zu den erneuten Erweiterungsplänen kürzlich hitzig debattiert. Fragen des Güllegestanks, der Lautstärke und des Tierwohls wurden dabei diskutiert. Der Ortsvorsteher Klaus Voth (CDU) teilte auf Anfrage des Meetingpoints mit:

„Die Lasten, die vom Anlagenbetrieb ausgehen, haben immer die Ortsansässigen zu tragen. Der Ortschaftsrat Gladau will mit seinen Entscheidungen darauf achten, dass eine Akzeptanz in der Bevölkerung für den Anlagenbetrieb auf Dauer gewährleistet werden kann. Der Ortschaftsrat ist nicht gegen die Schweinezuchtanlage in dem 1995 genehmigten Umfang, im Gegenteil, aber er ist gegen eine Erweiterung der Anlage“, so Voth.

Bauausschuss spricht sich auch gegen die Erweiterung aus
Die massiven Veränderungen, die das Schweinezucht-Unternehmen in Gladau plant, wurden im Bauausschuss gestern kritisch besprochen. Auch das Thema Tierwohl kam dabei unweigerlich auf den Tisch. Derzeit gibt es vier verschiedene Haltungsformen: Stufe 1 (Stallhaltung), Stufe 2 (StallhaltungPlus), Stufe 3 (Außenklima) und Stufe 4 (Premium). In Gladau wird derzeit die Stufe 1 erfüllt, die das Mindestmaß der gesetzlichen Anforderungen einhält – mehr aber auch nicht.

An dieser Stelle schaltete sich Ausschussmitglied Lutz Nitz (GRÜNE/ LWG Fiener) ein. „Was wird am Ende aus der Erweiterung? Wenn die Anlage weiterhin in Stufe 1 betrieben wird, also in industrieller Massentierhaltung, dann kann ich der Erweiterung nicht zustimmen“, so Lutz Nitz. Aus seiner Sicht müsste eine Verbesserung der Bedingungen für die Tiere mit der Erweiterung einher gehen.

Auch die anderen Ausschussmitglieder haben mehrheitlich gegen die Erweiterungspläne gestimmt. Geprüft werden soll indessen, ob der Gladauer Ortschaftsrat in der beschließenden Stadtratssitzung im Dezember nochmals zu Wort kommen darf. Nach dem neuen Konzept sollen die zwei Biogasanlagen als eine Anlage weiterbetrieben werden. Die Biogasanlage soll den neuen gesetzlichen Anforderungen entsprechen, unter anderem durch Verringerung der Anzahl an Tieren soll die gesamte Gülle am Standort Gladau verarbeitet werden. Würde der Stadtrat diesem Beschluss zustimmen, würde der Beschluss aus dem Jahr 2019 für die besagten zwei Biogasanlagen mit Futterzentrale aufgehoben werden.
Kommt in Zukunft doch die Haltungsstufe 2 und damit eine Verbesserung für das Tierwohl?
Wir haben auf Grundlage der Bedenken aus dem Ortschaftsrat und dem Bauausschuss die Betreiberfirma der Schweinezuchtanlage kontaktiert. Die GLAVA GmbH ist eine Tochterfirma der LFD Holding GmbH mit Sitz in Ziesar. LFD Holding-Pressesprecher Ralf Beke-Bramkamp erklärt die Lage so:

„Die derzeitige Planung für die Betriebsstätte Gladau ist auf Basis der vorhandenen Gebäudestrukturen unter Berücksichtigung der neuerlichen gesetzlichen Anforderungen erfolgt und hat eine deutliche Reduzierung gegenüber dem vormaligen Beschluss. Die Bedenken und Anmerkungen von Anwohnern haben wir aufgenommen und werden uns damit auch noch einmal auseinandersetzen. Für uns ist eine Überplanung des gesamten Standortes wichtig, um eine nachhaltige und sinnvolle Gesamtlösung zu finden, die auch einen Schwerpunkt in der Optimierung des Biogasbereiches erfordert; die Anforderungen aus der Energiewende sind wesentlicher Bestandteil unserer weiteren Überlegungen.

Es wird keine weiteren Stallgebäude geben und derzeit teilweise als Stall ausgeführte Bauteile werden anderweitig genutzt, u.a. auch für die Belegung mit Dach-PV-Anlagen. Wie bereits erwähnt, ist die Energiewende bei sämtlichen Planungen mittlerweile nicht unwesentlich“, so der Sprecher.

Betreiber meint: Reduzierung passt nicht zum Anlagenkonzept
Weiterhin teilte Ralf Beke-Bramkamp mit: „Eine Reduzierung passt nicht zum Anlagenkonzept und wäre auch unter gesamtpolitischer Betrachtung alles andere als sinnvoll. Wir brauchen diese grüne Energie und Geruchsbelästigungen über die Biogasanlage sind aufgrund der stetigen techn. Verbesserungen dieser Anlagen aus unserer Sicht zu vernachlässigen.

Der Sauenbestand in Deutschland ist dramatisch gesunken und wir gehen davon aus, dass die Nachfrage nach Fleisch aus tierwohlgerechter heimischer Haltung mit deutlich geringeren Transportwegen zukünftig gegeben ist. Wir streben in Gladau hier die sogenannte Haltungsstufe 2 mit ITW (Initiative Tierwohl) an und hoffen, dass der Gesetzgeber in dieser Frage rasch Klarheit für sämtliche Beteiligten der Branche schafft“, blickt der Unternehmenssprecher voraus.

Mit dem blauen Label der Stufe 2 wird Fleisch gekennzeichnet, das aus einer Haltung stammt, die über die gesetzlichen Standards hinausgeht. Darunter fällt auch das Fleisch aus Betrieben der Initiative Tierwohl. Das bedeutet, Tiere haben mindestens zehn Prozent mehr Platz im Stall als gesetzlich vorgeschrieben und es steht ihnen zusätzliches Beschäftigungsmaterial zur Verfügung. Ein Erwirken dieser Stufe wäre die von GRÜNEN-Stadtrat Lutz Nitz angestoßene, aus seiner Sicht nötige, Veränderung in Gladau.

Stadtrat entscheidet am 15.12. über die Zukunft der Schweinezuchtanlage
Im Dezember muss der Stadtrat Genthin in seiner Sitzung über die Erweiterungspläne entscheiden. Hierbei stehen sich gegensätzliche Auffassungen aus dem Ortschaftsrat und von der Betreiberfirma gegenüber. Die Belange der Ortschaft Gladau müssen dabei ebenso einbezogen werden wie die wirtschaftlichen Faktoren, die das Unternehmen anführt.

Wie die Abstimmung ausgeht, erfahrt ihr zuerst bei uns!

Bilder

Symbolbild, Quelle: pixabay.com
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Kommentare

  •  
    NEWS TICKER schrieb um 09:25 Uhr am 22.11.2022:
    @E.E.

    Bei welcher Gelegenheit haben Sie diese Aussage erträumt ? Im Schnitt werden derlei Anlagen alle 11,5 Jahre kontrolliert. Die Zustände haben mit Tierwohl rein garnichts zu tun, Ausnahmen gibt es sicherlich in der Minderheit.
    Ergo. Einfach die Fakten zur Kenntnis nehmen.
    •  
      E. E. schrieb um 08:17 Uhr am 22.11.2022:
      In Betrieben wird regelmäßig nach der Schweinehaltung geschaut und kontrolliert. Aber im Privathaushalt wird nicht regelmäßig kontrolliert, da muss ein Schwein in sein eigenem Kot und Urin ohne Einstreu bei kältere Temperaturen leben. Traurig das da nichts gemacht wir.