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Kommt im Winter der große Strom- oder Gasblackout?

Stadtgeschehen
  • Erstellt: 20.11.2022 / 07:03 Uhr von rp
Werden wir in diesem Winter einen Gas- und Strom-Blackout erleben? Dieser Frage sind wir mit dem Geschäftsführer der Stadtwerke Energienetze GmbH, Mathias Holzberger und der Pressesprecherin der Stadtwerke Burg, Elke Schütze nachgegangen.

Eins steht fest, obwohl die Fragen und Sorgen zur Bewältigung der Corona-Infektionen derzeit auch wieder vermehrt thematisiert werden, wurden diese durch die Sorgen der ausreichenden, bezahlbaren Gewährleistung von Energie längst abgelöst. Hervorgerufen durch die große Abhängigkeit von Russlands Gas- und Energielieferung, steht nun das große Rotieren in Sachen Ersatz an.

Wie sieht das im Jerichower Land aus?

Wie der Geschäftsführer der Stadtwerke Energienetze, Mathias Holzberger dazu meinte „Ich sehe derzeit keinen Anlass zur Panik und sehe auch die Versorgung derzeit nicht in Gefahr. Dennoch müssen wir auf alles vorbereitet sein und ich kann sagen, wir als Energienetze fühlen uns vorbereitet. Denn wir haben Innungssitzungen zur Vorbereitung eines Ausfalls von Strom und Gas durchgeführt und haben für die Krisenvorsorge Gas gemeinsam mit den sogenannten „nicht geschützten“ Kunden Pläne in so einem Fall entwickelt“. Die Energienetze selbst haben mit Installateur-Betrieben einen engen Kontakt, diese haben im Ernstfall auf ihre Unterstützung bei einer Krise zugesagt.“.

Denn wie Holzberger ausführte, gibt es für die Gasversorgung drei bundesweite Notfallstufen, die die Bundesnetzagentur ausrufen kann. In der Stufe 1, der sog. Frühwarnstufe wird von einer deutlichen Verschlechterung der europäischen Gasversorgung gewarnt, in der Stufe 2, der Alarmstufe, in der wir uns derzeit befinden, liegt eine Störung der Gasversorgung vor. Man bereitet sich auf einen drohenden Ausfall vor. Diese Stufe ist gerade bundesweit aktiv und jeder Energieverbraucher ist angehalten mitzuhelfen seinen Verbrauch, so gut es geht, einzuschränken. Holzberger meinte dazu: „Jede Gemeinde und Versorger, die sich nicht in Stufe 2 auf einen Ausfall vorbereiten, sind gelinde gesagt „mutig“. Die Stadtwerke Burg Energienetze haben sich daher, laut Aussage von Elke Schütze, auf alle Eventualitäten vorbereitet. Dazu hat man mit Firmenkunden, die einen höheren Verbrauch haben gesprochen, um eventuelle Abschaltungen von Teilen der Produktionsanlagen zu planen. Alle Kunden haben sich hier laut Aussage von Elke Schütze, mit einem großen Maße engagiert und gemeinsam mit den Energienetzen Notfallpläne erarbeitet. Neben komplexeren Regelungen haben aber dabei auch ganz normale Dinge eine große Rolle gespielt. Denn durch diese Gespräche mit den Kunden kam heraus, dass oftmals die Kontaktstruktur veraltet war und man im Notfall keinen erreicht hätte.“

Was passiert in Stufe 3 ?

Wenn die Bundesnetzagentur die Stufe 3 ausrufen sollte, können Abschaltungen zur Sicherung der Bevölkerung und der kritischen Infrastruktur quasi angewiesen werden. Dazu muss man wissen, dass es geschützte und nicht geschützte Industrie- und Produktionsbetriebe gibt. Derzeit haben die Stadtwerke im Jerichower Land, laut Holzberger, zehn ungeschützte Betriebe in der Region, die sofort abgeschaltet werden könnten, wenn die Energieversorgung für Bevölkerung, Krankenhäuser oder aber auch den Bundeswehrstützpunkt in Burg in Gefahr ist. Derzeit sind nach Aussage von Mathias Holzberger Lebensmittelproduktionen noch ungeschützte Betriebe. Hier wird allerdings gerade auf Bundesebene stetig nachgearbeitet, sodass die Chance wohl hoch ist, dass auch diese Betriebe im Notfall weiterbetrieben werden.

Doch wie kann es zu so einem Ausfall kommen.

Ein Ausfall kann laut Holzberger viele Gründe haben, angefangen vom Mangel am Rohstoff Gas, bis hin zum Anschlag auf die nötige Infrastruktur ist alles drin. Derzeit sieht er allerdings keine Sorge für eine Gasunterversorgung. Allerdings kann ein langer und kalter Winter den Verbrauch in die Höhe treiben und dann kann sich die Lage ändern. Bei der Stromversorgung sieht es ähnlich aus, denn auch wenn erneuerbare Energie auch für ihn der Schritt in die richtige Richtung ist, ist diese derzeit nur schlecht bis gar nicht speicherbar. So fällt Wind- und Solarenergie gerade an windstillen und trüben Wintertagen aus und sorgt im Kommentiert [SH1]: Die Notfallstufen gibt es nur in der Gasversorgung Energienetz für hohe Schwankungen bzw. Mangel an der Grundlast. Daher hat auch er als Energiefachmann noch keine Erklärung, wie der Ausstieg aus der Kohle und Kernenergie, die neben Gas- und Wasserkraftwerken, für eine Grundlast im Energienetz sorgen, bewältigt werden kann. Er vermutet, dass auch an dieser Stelle noch lange ein Zukauf von Energie aus anderen Ländern nötig sein wird.

Das Stromnetz ist sehr empfindlich, schon kleine Abweichungen von der Grundlast können ein gesamtes Stromnetz zusammenbrechen lassen. In so einem Fall haben die Stadtwerke keinen Einfluss mehr, das Einzige, was die Stadtwerke dann noch machen können, ist das Vorhalten von Maßnahmen und regionalen Regelungen, falls wieder Strom aus dem Bundesnetz geliefert werden kann. Mittels Prioritätenschaltung sollen in diesem Fall dann die sozialkritischen Bereiche zuerst versorgt werden.

Denn wie Holzberger meinte, hat es in Burg am 7. Juli diesen Jahres einen Stromausfall gegeben, der den Burgern gezeigt hat, was in diesem Fall passiert [wir berichteten]. Durch einen Fehler beim externen Energielieferanten ist das 15 KV Netz in Burg für mehrere Stunden zusammengebrochen. Dabei hat nach kurzer Zeit nichts mehr funktioniert. Zudem ist damit das Handynetz ausgefallen, eigentlich sind die Telefonfunkanlagen so konzipiert, dass diese im Fall eines Stromausfalls noch gut 2 Stunden funktionieren sollten. Doch nach ca. 35 Minuten ging auch diesen Anlagen buchstäblich der Saft aus. Er meinte, dass diese Zeit bei Kälte noch um ein Vielfaches unterboten werden wird.

Dabei ist im Notfall eine Kommunikation das „A und O“. Laut Mathias Holzberger wurden auch die Mitarbeiter der Stadtwerke am 7. Juli in ein ungewolltes Worstcase Szenario geworfen. Denn eine Kommunikation über das Handynetz war nicht mehr möglich. Mit Funkgeräten hat man nun zwar eine stark eingeschränkte Ernstfallkommunikation, aber sie ist dennoch nur für eine gewisse Zeit möglich. Darüber hinaus wurden mit der Stadt Burg und dem Wasserverband Burg gemeinsam weitere Maßnahmen für eine Notkommunikation für den Ernstfall erarbeitet.

Ein Ausfall würde in Sachen Gas einen enormen Aufwand bedeuten. Denn auch wenn bei den rund 4.000 Kunden das Gas wieder vor der Haustür strömt, muss jeder Anschluss manuell geöffnet werden. Denn sollte es mal zu einem Druckabfall kommen, schließen sich die Ventile an jedem Anschluss automatisch. Zwar gibt es Ventile, die sich bei ausreichendem Außendruck automatisch wieder öffnen, doch geht man derzeit bei den Stadtwerkekunden von rund 600 Ventilen aus, die so etwas können. Damit müssten immer noch ca. 3.400 Ventile von Hand geöffnet werden. Da dies aber längst nicht alle Haushalte im Jerichower Land sind, kann man mit einem Gasausfall von mehreren Monaten rechnen. Die Stadtwerke selbst haben mit Monteurbetrieben einen engen Kontakt und bauen im Ernstfall auf deren Unterstützung bei der Wiederherstellung der Energiezufuhr.

Fazit: Es gibt derzeit keinen Grund für eine Panik. Trifft der Ernstfall aber ein, wird es mehr als nur eine Schalterlegung brauchen, damit wieder Normalität einkehrt."

Bilder

Symbolbild - Quelle www.pixabay.com
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Kommentare

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    Naiv schrieb um 21:00 Uhr am 20.11.2022:
    ZITAT: Die Energienetze selbst haben mit Installateur-Betrieben einen engen Kontakt, diese haben im Ernstfall auf ihre Unterstützung bei einer Krise zugesagt.“.

    Ich komm gerade nicht mehr aus dem lachen raus. Was sollen denn bitteschön die Installationsbetriebe machen bei einem Blackout? Ja genau, sie buchen Eimersaufen auf Malle! Leider kann man nur mit dem Niveau antworten, wie diese Berichterstattumg. Wie wäre es denn diese Betriebe namentlich zu benennen? Der Weg aus der Krise. Fremdschämen reicht leider nicht mehr. Fragt mal Menschen mit Fachausbildung,
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      unendschuldbare Politik schrieb um 13:29 Uhr am 20.11.2022:
      >>So fällt Wind- und Solarenergie an vielen Tagen aus und sorgt im Energienetz für hohe Schwankungen.<<

      Der Netzbetreiber "Transnet-BW" bereitet sich darauf vor, im Notfall einzelnen Orten für kurze Zeit den Strom abzuschalten.
      Geplant sei, im Wechsel mehrere Gruppen von Orten für jeweils 90 Minuten vom Netz zu nehmen, um den Stromverbrauch zu senken.
      Der Fall trete aber nur ein, wenn im Winter an windstillen und dunklen Tagen mehr als 750 Megawatt Leistung bundesweit fehlten.
      Das sagte Transnet-BW- Geschäftsführer Werner Götz der "Heilbronner Stimme".

      Das haben wie der wirtschaftszerstörerischen aktuellen "Ampel- Bundesregierung zu verdanken, die die Grundlast- Energieversorgung von 83 Millionen Menschen unverzeihlich verteuert und dadurch deren Lebensstandard unnötig zugunsten von ausländischen fremden Drittstaaten kaputtmacht!
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        Torsten B. schrieb um 09:48 Uhr am 20.11.2022:
        Bleibt nur zu hoffen, daß dieser Extremfall weder im Jerichower-Land noch in Deutschland eintritt. Wird der Winter streng und kalt reichen die nun vollen Gasspeicher gerade 6-Wochen. Stellt sich die Frage ob die Verantwortung für diese Energiekrise nicht maßgeblich bei der BR liegt? Warum nur der Verzicht von Gas, Oil was über Jahrzehnte zu günstigen Konditionen von Russland kam, so plötzlich? Helfen diese Sanktionen wirklich den Menschen in der Ukraine und schaden dem System-Putin, wie unsere politischen Eliten meinen? Schon jetzt zeichnet sich ab, daß es in Deutschland zu massiven Verwerfungen im Handels und Industriebereich geben wird. Das Leben für Millionen von Menschen wird teurer bei steigender Inflation und Abgaben. Warum nur und wem nutzt dies?