Landtagswahl 2026: Friederike Larek (Bündnis 90/Die Grünen) im Gespräch

Landtagswahl 2026 – die Kandidaten im Gespräch
Am 6. September wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt. Für unsere Kandidatenserie haben wir die Bewerberinnen und Bewerber aus unserem Verbreitungsgebiet mit einem einheitlichen Fragenkatalog konfrontiert.
Dabei geht es unter anderem um die politischen Ziele der Kandidatinnen und Kandidaten, wichtige Themen in den Wahlkreisen und ihre Vorstellungen für die kommende Legislaturperiode.
Heute beantwortet Friederike Larek (Bündnis 90/Die Grünen) unsere Fragen. Sie kandidiert im Wahlkreis 6, Region Burg.
1. Bitte stellen Sie sich in drei Sätzen vor. Wer sind Sie und was sollten die Wählerinnen und Wähler über Sie wissen?
Mein Name ist Friederike Larek, ich bin 28 Jahre alt, studiere Jura in Halle und bin in Burg geboren und aufgewachsen. Ich engagiere mich vor Ort in der „Wir für Burg“ Stadtratsfraktion, im Burger Bündnis sowie als ehrenamtliche Teamerin im Jugendklub in der Blumenthalerstraße. Neben meinem Studium habe ich unter anderem in der Gastronomie, in einer Bibliothek und im Landtag gearbeitet und dabei ganz unterschiedliche Perspektiven auf unser Land kennengelernt.
2. Warum kandidieren Sie für den Landtag von Sachsen-Anhalt?
Ich kandidiere, weil ich davon überzeugt bin, dass wir junge, weibliche Stimmen im Landtag brauchen, die aktiv die Politik in unserem Bundesland gestalten wollen. In der Kommunalpolitik aber auch im Ehrenamt merke ich immer wieder, wie wichtig es ist Bündnisse zu schmieden und gemeinsam anzupacken. Ich möchte mich im Landtag dafür einsetzen, dass wir unser Land nicht nur verwalten, sondern mutig weiterentwickeln und für die Zukunft stark machen.
Ich möchte Politik nahbar und verständlich machen. Mir ist der persönliche Austausch mit meinen Mitmenschen wichtig, sei es auf der Straße, am Küchentisch, am Wahlkampfstand oder an der Kneipentheke. Ich möchte, dass wir es wieder schaffen miteinander in den Austausch zu gehen, ohne Hass und Hetze, sondern mit Respekt und gegenseitigem Verständnis für Positionen, Erfahrungen und Meinungen.
3. Welches ist aus Ihrer Sicht die größte Herausforderung für Sachsen-Anhalt in den kommenden fünf Jahren?
Die größte Herausforderung in Sachsen-Anhalt in den kommenden Jahren ist der demographische Wandel. Viele Regionen in Sachsen-Anhalt verlieren Bevölkerung, werden älter und kämpfen mit Fachkräftemangel. Das hat Auswirkungen auf nahezu alle Lebensbereiche, von der Gesundheitsversorgung über Schulen und Kitas bis hin zu Mobilität und Wirtschaft. Um dem entgegenzusteuern, benötigen wir breit aufgestellte Maßnahmen, um in attraktive Lebensbedingungen zu investieren, damit Menschen bleiben, zurückkehren und sich bewusst für Sachsen-Anhalt entscheiden.
4. Welche drei politischen Projekte möchten Sie als Erstes anpacken, wenn sie gewählt werden?
Mehr Bildung für Sachsen-Anhalt
Ich möchte, dass jeder Mensch in Sachsen-Anhalt unabhängig von der Herkunft und von seinem Wohnort die Möglichkeit hat, Neues auszuprobieren, eigene Projekte auf die Beine zu stellen und dabei ganz nebenbei fürs Leben zu lernen.
Grundlage dafür ist ein verbindlicher Mindeststandard an Schulen bei Personal, Ausstattung und digitaler Infrastruktur bei gleichzeitiger Entlastung des Personals. Bildung darf jedoch nicht an der Schultür enden. Dafür möchte ich ein landesweites Programm auf den Weg bringen, das Jugendklubs, Bibliotheken, Vereine und freie Träger dabei unterstützt, regelmäßig Bildungsangebote anzubieten. Angefangen bei politischer und digitaler Bildung, über Kunst, Musik und Handwerk bis hin zu Umwelt- und Klimabildung. Gerade im ländlichen Raum sollen solche Angebote direkt vor Ort stattfinden können und möglichst flexibel und niederschwellig gestaltet werden.
Jugend braucht Räume, die bleiben und nicht abhängig sind von Förderperioden Offene Kinder- und Jugendarbeit ist kein freiwilliger Luxus, sondern ein wichtiger Teil der Daseinsvorsorge. Jugendklubs und offene Räume sind Orte, an denen junge Menschen Freundschaften schließen, Unterstützung finden und Verantwortung übernehmen. Ich möchte, dass wir die offene Kinder- und Jugendarbeit in Sachsen-Anhalt dauerhaft durch langwierige Förderperioden absichern und Kommunen und freie Träger bei der Finanzierung von Fachpersonal stärker unterstützen.
Klimaschutzgesetz für Sachsen-Anhalt auf den Weg bringen
Heimatschutz heißt auch Klimaschutz. Hitze, Trockenheit und Extremwetter sind längst in Sachen- Anhalt angekommen und betreffen unsere Kommunen, unsere Landwirtschaft und die Lebensqualität der Menschen. Ich möchte deshalb ein Klimaschutzgesetz auf den Weg bringen, das verbindliche Ziele festlegt und gleichzeitig Kommunen, Unternehmen und Bürgerinnen und Bürger bei der Umsetzung unterstützt. Klimaschutz muss dabei mit guter Daseinsvorsorge, wirtschaftlicher Entwicklung und regionaler Wertschöpfung zusammengebracht werden. So schaffen wir nicht nur mehr Klimaschutz, sondern machen Sachsen-Anhalt auch widerstandsfähiger und lebenswerter für die Zukunft.
5. Was möchten Sie konkret für Ihren Wahlkreis erreichen?
Im Juni wurde in Drewitz ein Hitzerekord von 41,8 Grad Celsius erreicht. Hitze und Trockenheit sind im Jerichower Land längst keine abstrakten Zukunftsprobleme mehr, sondern vor unserer Haustür spürbar. Ich möchte, dass wir unseren Landkreis klimaresilent machen und dabei Klimaschutz mit öffentlicher Daseinsvorsorge zusammendenken. Ich möchte, dass das Jerichower Land aktiv dabei unterstützt wird, z.B. durch Entsiegelung, Begrünung und Verschattung von Ortszentren und öffentlichen Plätzen, aber auch durch Unterstützung der Kommunen bei der Umsetzung und Finanzierung bereits vorhandener Radverkehrskonzepte.
Ein zweiter Schwerpunkt ist für mich die Jugendarbeit. Bestehende Angebote der offenen Kinderund Jugendarbeit müssen verlässlich weiterfinanziert und personell ausgestattet werden. Einrichtungen dürfen nicht davon abhängig sein, ob jedes Jahr neue Projektmittel bewilligt werden. Darüber hinaus möchte ich die mobile Jugendarbeit ausbauen. Nicht jedes Dorf kann einen eigenen Jugendklub unterhalten. Mobile Jugendarbeit kann deshalb Angebote dorthin bringen, wo Jugendliche leben.
6. Welches politische Thema liegt Ihnen persönlich besonders am Herzen- und warum?
Das für mich wichtigste Thema auf Landesebene ist die Bildung. Sie entscheidet darüber, welche Chancen Menschen im Leben haben und ob sie ihre Zukunft selbst gestalten können. Bildung bedeutet für mich aber mehr als nur funktionierende und gut ausgestattete Schulen. Bildung umfasst Kultur, politische Bildung, Medienkompetenz, gesellschaftliches Miteinander und lebenslanges Lernen. Deshalb ist mein Anspruch kein Leerstand, weder in unseren Ortskernen, noch in den Köpfen.
7. Worin unterscheiden Sie sich von den anderen Kandidatinnen und Kandidaten?
Ich bin eine junge Frau aus Sachsen-Anhalt und bringe damit eine Perspektive mit, die im Landtag immer noch zu selten vertreten ist. Ich weiß, was es bedeutet, wenn der eigene Freundeskreis zum Studieren wegzieht, wenn man auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen ist und welche Angebote für junge Menschen fehlen. Gleichzeitig möchte ich nicht nur darüber reden, was im Land fehlt, sondern selbst Verantwortung übernehmen und Dinge verändern. Ich bin keine Berufspolitikerin und bringe somit einen frischen Blick mit.
8. Gibt es eine politische Position Ihrer Partei, die Sie kritisch sehen oder anders gewichten würden?
Ich würde innerhalb unserer Partei den Blick auf den ländlichen Raum noch stärker machen. Mir ist besonders wichtig, dass wir Politik immer auch aus der Perspektive des ländlichen Raums und aller Altersgruppen denken. Maßnahmen müssen in den größeren Städten genauso funktionieren wie in einem Dorf. Ansonsten hätte ich gerne die Forderung der Grünen Jugend nach einem kostenlosen öffentlichen Nahverkehr gerne im Wahlprogramm gesehen, das ist aber wahrscheinlich eher eine langfristige Forderung.
9. Wie möchten Sie mit Menschen umgehen, die Ihre politischen Ansichten nicht teilen?
So wie ich es bisher versuche: respektvoll und offen. Demokratie lebt davon, dass unterschiedliche Perspektiven miteinander ins Gespräch kommen und wir um gute Lösungen ringen. Dabei muss nicht jede Diskussion in Einigkeit enden. Ich möchte zuhören, Argumente ernst nehmen und gleichzeitig klar für meine eigenen Überzeugungen einstehen. Gerade in Zeiten zunehmender Polarisierung halte ich es für wichtig, dass wir wieder lernen, hart in der Sache, aber respektvoll im Umgang miteinander zu sein. Eine Grenze ziehe ich persönlich bei der Anerkennung und Wahrung der Menschenrechte, Gleichberechtigung und demokratischen Grundprinzipien.
10. Vervollständigen Sie den Satz: „Sachsen-Anhalt ist im Jahr 2031 für mich erfolgreich, wenn…
... junge Menschen bleiben, weil sie hier gute Chancen sehen, ältere Menschen überall gut versorgt sind und unsere Städte und Dörfer lebendig bleiben. Wenn Ehrenamt, Wirtschaft, Bildung, Kultur und Klimaschutz gemeinsam unser Land stärken und niemand das Gefühl hat, abgehängt zu sein.
Persönliche Fragen
11. Was machen Sie, wenn Sie einmal nicht Politik machen?
Dann lerne ich entweder für mein Studium, bin ehrenamtlich unterwegs oder bin in meiner Garage wo ich töpfere oder Musik mache. Ansonsten verbringe ich viel Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden und unseren Tieren.
12. Welches Buch, welcher Podcast oder welche Zeitung hat Sie zuletzt besonders beeindruckt?
Das Buch was ich immer wieder empfehle ist "Just Kids“ von Patti Smith.
Aktuell lese ich gerade „Witches, Bitches, It-Girls" von Rebekka Endler, was mir von einer Freundin empfohlen wurde. Ansonsten höre ich verschiede Politik und True Crime Podcast. Zuletzt „Der Zug“, wo es um einen regionalen Fall aus der Börde geht.
13. Worauf sind Sie außerhalb der Politik besonders stolz?
Auf die Menschen, die mich begleiten. In den letzten Jahren ist ein großartiges Netzwerk aus Familie, Freundinnen und Freunde sowie Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern entstanden. Gemeinsam haben wir viele Projekte auf die Beine gestellt, wie z.B. die FEMIWEEK mit dem Frauenflohmarkt zu Beginn des Jahres. Zu sehen, was entsteht, wenn Menschen sich zusammentun und Verantwortung übernehmen, macht mich besonders stolz.
14. Kaffee oder Tee? Frühaufsteher oder Nachteule?
Kräutertee und überzeugte Nachteule. Meine besten Ideen kommen meistens dann, wenn der Trubel des Tages langsam zur Ruhe kommt.


















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