Landtagswahl 2026: Kay Gericke (Freie Wähler) im Gespräch

Kay Gericke
Foto: Rayk Weber
Kay Gericke Foto: Rayk Weber

Landtagswahl 2026 – die Kandidaten im Gespräch
Am 6. September wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt. Für unsere Kandidatenserie haben wir die Bewerberinnen und Bewerber aus unserem Verbreitungsgebiet mit einem einheitlichen Fragenkatalog konfrontiert.
Dabei geht es unter anderem um die politischen Ziele der Kandidatinnen und Kandidaten, wichtige Themen in den Wahlkreisen und ihre Vorstellungen für die kommende Legislaturperiode.

Heute beantwortet Kay Gericke (Freie Wähler) unsere Fragen. Er kandidiert im Wahlkreis 6, Region Burg.

1. Bitte stellen Sie sich in drei Sätzen vor. Wer sind Sie und was sollten die Wählerinnen und Wähler über Sie wissen?
Ich bin Kay Gericke, gelernter Bäcker, ehemaliger Zeitsoldat sowie selbstständiger Unternehmer, und gestalte als amtierender Bürgermeister der Einheitsgemeinde Biederitz seit 2010 leidenschaftlich Kommunalpolitik im Jerichower Land.

2. Warum kandidieren Sie für den Landtag von Sachsen-Anhalt?
Ich kandidiere für den Landtag in Sachsen-Anhalt, um meine praktische Erfahrung als Kommunalpolitiker einzubringen, unsere Kommunen spürbar zu stärken und eine bürgernahe Politik frei von Partei Taktik und Ideologie zu gestalten.

3. Welches ist aus Ihrer Sicht die größte Herausforderung für Sachsen-Anhalt in den kommenden fünf Jahren?
Aus meiner Sicht als langjähriger Kommunalpolitiker ist die größte Herausforderung für Sachsen-Anhalt in den kommenden fünf Jahren die drohende Handlungsunfähigkeit unserer Städte und Gemeinden durch eine massive chronische Unterfinanzierung sowie der lähmende Bürokratismus.
Wenn wir hier nicht sofort gegensteuern, riskieren wir die Grundpfeiler unseres Zusammenlebens.


4. Welche drei politischen Projekte möchten Sie als Erstes anpacken, wenn Sie gewählt werden?
Die Reform des Finanzausgleichsgesetzes (FAG) zur Rettung unserer Kommunen: Ich werde sofort eine Gesetzesinitiative einleiten, um die chronische Unterfinanzierung unserer Städte und Gemeinden zu beenden. Das Geld des Landes muss direkt und unbürokratisch dort ankommen, wo die Menschen leben, damit Schwimmbäder, Schulen, Straßen und Feuerwehren endlich wieder verlässlich saniert und instand gehalten werden können.
Die Einführung vollständig beitragsfreier Kitas und Horte: Ich will Familien in Sachsen-Anhalt spürbar entlasten und für echte Chancengleichheit sorgen, indem wir die Beiträge für die frühkindliche Bildung komplett abschaffen. Gleichzeitig müssen wir den Kommunen die dadurch entstehenden Kosten vollständig erstatten, um die Qualität der Betreuung vor Ort langfristig zu sichern.
Ein radikaler Bürokratieabbau für Wirtschaft und Verwaltung: Wir müssen unsere mittelständischen Unternehmen, Handwerksbetriebe sowie Verwaltungen von lähmenden Dokumentations- und Berichtspflichten befreien. Mein Ziel ist es, Genehmigungsverfahren deutlich zu beschleunigen und überflüssige Vorschriften zu streichen, damit wieder Platz für unternehmerische Freiheit, Innovation und echten Praxisalltag entsteht.


5. Was möchten Sie konkret für Ihren Wahlkreis erreichen?
Wiedererlangung der kommunalen Selbstverwaltung: Aktuell diktiert das Land den Gemeinden jeden Cent. Ich setze mich dafür ein, dass die Finanzzuweisungen des Landes zur freien Verfügung stehen, damit die Stadträte und Gemeinderäte im Jerichower Land wieder selbst entscheiden können, ob sie Geld in einen neuen Spielplatz, Straßensanierungen oder Vereinsförderung stecken.

6. Welches politische Thema liegt Ihnen persönlich besonders am Herzen – und warum?
Das Thema, das mir als Bürgermeister und Familienvater am allermeisten auf der Seele brennt, ist die direkte Verknüpfung von solider Kommunalfinanzierung und einer verlässlichen, beitragsfreien Kita- und Hortlandschaft.

7. Worin unterscheiden Sie sich von den anderen Kandidatinnen und Kandidaten?
Ich unterscheide mich von meinen Mitbewerbern durch meine jahrzehntelange Praxiserfahrung an der kommunalen Basis und meine absolute parteipolitische Unabhängigkeit. Während viele Abgeordnete Politik nur aus Akten und Ministerien kennen, bringe ich eine lebensnahe Perspektive in den Landtag. Durch meine 16-jährige direkte Verantwortung als amtierender Bürgermeister erlebe ich täglich die realen Folgen von Landesgesetzen und weiß genau, wie schwer sich Bürokratie sowie mangelnde Finanzierung auf Kitas, Feuerwehren und die Menschen vor Ort auswirken. Für mich gilt konsequente Sacharbeit statt Parteitaktik: Mein Austritt aus der SPD nach über 30 Jahren zeigt deutlich, dass ehrliche Politik für die Bürger für mich über der eigenen Parteikarriere steht. Bei den Freien Wählern stimme ich ohne Fraktionszwang ab und bin ausschließlich meinem Gewissen sowie meinem Wahlkreis verpflichtet. Zudem bringe ich einen echten Lebenslauf abseits des Politbetriebs mit. Als gelernter Bäcker, ehemaliger Zeitsoldat und selbstständiger Unternehmer kenne ich die wirtschaftliche Realität aus eigener Erfahrung. Ich weiß, was es bedeutet, Monat für Monat Löhne zu zahlen und reale Risiken zu tragen – eine essenzielle Bodenhaftung, die im Landtag viel zu oft fehlt.

8. Gibt es eine politische Position Ihrer Partei, die Sie kritisch sehen oder anders gewichten würden?
Als Kommunalpolitiker, der die Realität vor Ort täglich vor Augen hat, sehe ich bei den Freien Wählern die Notwendigkeit einer deutlich schärferen und exklusiveren Priorisierung der Kommunalfinanzen.

9. Wie möchten Sie mit Menschen umgehen, die Ihre politischen Ansichten nicht teilen?
Ich begegne Menschen mit anderen politischen Ansichten grundsätzlich mit Respekt, echtem Interesse und der Bereitschaft, auf Augenhöhe zuzuhören. Als Bürgermeister habe ich gelernt, dass eine Demokratie genau von diesem Austausch lebt. Mein Umgang mit Andersdenkenden zeichnet sich durch drei klare Prinzipien aus:
Zuhören statt Abkanzeln: Ich verurteile oder blocke andere Meinungen nicht sofort ab, sondern versuche zu verstehen, welche Sorgen oder Argumente dahinterstecken. Oft zeigt sich im direkten Gespräch, dass die Ziele gar nicht so weit auseinanderliegen, sondern nur die Wege dorthin unterschiedlich bewertet werden.

Die Suche nach dem besten Kompromiss: In der Kommunalpolitik bringt uns ideologisches Beharren auf der eigenen Meinung nicht weiter – am Ende muss ein Problem gelöst werden. Ich suche immer nach der besten pragmatischen Lösung für die Menschen vor Ort, unabhängig davon, von welcher Seite oder Partei der Vorschlag kommt.


Klare Kante in der Sache, aber fair im Ton: Man muss in der Politik nicht immer einer Meinung sein und ich scheue keine harte inhaltliche Diskussion. Wichtig ist mir dabei aber absolute Fairness: Ich streite sachlich über Argumente und werde niemals persönlich oder verletzend.


10. Vervollständigen Sie den Satz: „Sachsen-Anhalt ist im Jahr 2031 für mich erfolgreich, wenn …“
... wenn jede Gemeinde im Land finanziell wieder handlungsfähig ist, um Schulen, Kitas und Feuerwehren ohne Schuldenberge modern zu erhalten, arbeitende Familien durch vollständig beitragsfreie Kitas spürbar entlastet sind und die Menschen durch ehrliche, ideologiefreie Politik das Vertrauen in ihren Staat zurückgewonnen haben.

Persönliche Fragen:
11. Was machen Sie, wenn Sie einmal nicht Politik machen?
Wenn ich einmal nicht Politik mache, verbringe ich meine freie Zeit am liebsten mit meiner Familie, engagiere mich aktiv in unseren örtlichen Vereinen und finde meinen Ausgleich beim Sport im Jerichower Land.

12. Welches Buch, welcher Podcast oder welche Zeitung hat Sie zuletzt besonders beeindruckt?
Zuletzt hat mich die Biografie „Václav Havel: Biografie eines tragischen Helden“ besonders beeindruckt. Havels unerschütterlicher Einsatz für Freiheit, Wahrheit und eine Politik, die sich an moralischen Werten statt an reinem Machtkalkül orientiert, fasziniert mich zutiefst und erinnert mich täglich daran, warum ich selbst in die Politik gegangen bin.

Im Alltag begleiten mich zudem folgende Medien besonders intensiv:
Podcast „Eine Stunde History“ (Deutschlandfunk Nova): Dieser Podcast fasziniert mich, weil er historische Ereignisse perfekt aufarbeitet und zeigt, wie sehr die Vergangenheit unsere heutige politische und gesellschaftliche Gegenwart prägt.
Die regionale „Volksstimme“ & das lokale „Gemeindeblatt“: Sie sind für mich als Kommunalpolitiker unverzichtbar – die Volksstimme als verlässlicher Gradmesser für das gesamte Jerichower Land und das Gemeindeblatt für die ganz konkreten, ungefilterten Themen und Sorgen direkt vor unserer Haustür.


13. Worauf sind Sie außerhalb der Politik besonders stolz?
Außerhalb der Politik bin ich ganz besonders stolz auf meine Tochter und Familie, die mir jeden Tag Rückhalt gibt, sowie auf meinen beruflichen Werdegang, den ich mir von der Pike auf erarbeitet habe.

14. Kaffee oder Tee? Frühaufsteher oder Nachteule?
Auch wenn ich das frühe Aufstehen im Handwerk gelernt habe, beginne ich mit einem Kaffee und schätze heute die späten Abendstunden sehr, um in Ruhe nachzudenken, lange Gespräche zu führen oder den Tag entspannt ausklingen zu lassen.

Kay Gericke
Foto: Rayk Weber
Kay Gericke Foto: Rayk Weber
Grafik: KI-generiert
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Wahlkreis 6
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Kommentare (1)

Torsten B.29.08.2026, 12:13
Irgendwie möchte man Kai Gericke als BM der Einheitsgemeinde Biederitz, seine persönlichen Vorhaben alle glauben. Aber, wie war daß eigentlich mit den mehreren gekündigten Kindergärtnerinnen in Biederitz, auf Grund von geringeren Geburtenraten in seiner Amtszeit? Übrigens ist im GG eindeutig geregelt, daß Mandatsträger in Parteien, bei Abstimmungen nur ihrem Gewissen verpflichtet sind. Daß jedoch in allen Parteien der Fraktionszwang besteht, beugen sich die meisten Politiker/in diesem um ihre Karriere nicht zu gefährden und wiedergewählt zu werden. Leider! Die Freien Wähler werden 5-Prozent wohl nicht erreichen.