Landtagswahl 2026: Denis Kreuzadler (Die Linke) im Gespräch

Landtagswahl 2026 – die Kandidaten im Gespräch
Am 6. September wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt. Für unsere Kandidatenserie haben wir die Bewerberinnen und Bewerber aus unserem Verbreitungsgebiet mit einem einheitlichen Fragenkatalog konfrontiert.
Dabei geht es unter anderem um die politischen Ziele der Kandidatinnen und Kandidaten, wichtige Themen in den Wahlkreisen und ihre Vorstellungen für die kommende Legislaturperiode.
Heute beantwortet Denis Kreuzadler (Die Linke) unsere Fragen. Er kandidiert im Wahlkreis 5, Region Genthin.
1. Bitte stellen Sie sich in drei Sätzen vor. Wer sind Sie und was sollten die Wählerinnen und Wähler über Sie wissen?
Ich bin Denis Kreuzadler, 49 Jahre alt, in Berlin-Kreuzberg geboren und lebe seit 2009 mit meiner Familie in Tangermünde. Beruflich arbeite ich als Dozent mit Jugendlichen und Erwachsenen und erlebe dabei jeden Tag, wo Menschen Unterstützung brauchen und wo unser Staat besser funktionieren muss. Als Direktkandidat der Linken im Wahlkreis 5 will ich den Menschen in Genthin, Elbe-Parey, Jerichow, Tangermünde und Tangerhütte eine starke Stimme im Landtag geben.
2. Warum kandidieren Sie für den Landtag von Sachsen-Anhalt?
Ich bin für die Liebe nach Sachsen-Anhalt gekommen, habe hier meine Heimat gefunden und meine Kinder großgezogen. Ich kandidiere, weil viele Menschen im ländlichen Raum erleben, dass Busverbindungen fehlen, Arzttermine schwer erreichbar sind und politische Entscheidungen an ihrem Alltag vor-beigehen. Ich möchte nicht über die Dörfer reden, sondern mit den Menschen vor Ort und gemeinsam mit ihnen konkrete Verbesserungen durchsetzen.
3. Welches ist aus Ihrer Sicht die größte Herausforderung für Sachsen-Anhalt in den kommenden fünf Jahren?
Die größte Herausforderung ist für mich, dass Sachsen-Anhalt nicht weiter auseinanderdriftet. Es darf nicht davon abhängen, ob jemand in Magdeburg oder in einem kleinen Dorf lebt, ob ein Arzt erreich-bar ist, ein Bus fährt oder die Kinder eine gute Schule besuchen können. Gerade bei der medizinischen Versorgung merken wir schon heute, wie unsicher die Zukunft teilweise ist: Als meine Tochter kürzlich zu einem Orthopäden sollte, sagte uns ihr Arzt sogar, wir sollten möglichst eine Praxis suchen, die voraussichtlich noch länger bestehen bleibt, weil in den nächsten Jahren weitere Ärztinnen und Ärzte in Ruhestand gehen. Dass Familien bei der Arztwahl inzwischen schon überlegen müssen, ob eine Praxis in ein paar Jahren überhaupt noch da ist, zeigt, wie angespannt die Situation ist.
4. Welche drei politischen Projekte möchten Sie als Erstes anpacken, wenn Sie gewählt werden?
Erstens möchte ich Mobilität und gute Arbeit im ländlichen Raum besser zusammenbringen. Wir brauchen verlässliche Busverbindungen, bessere Taktzeiten und funktionierende Rufbusse. In meiner Arbeit erlebe ich immer wieder, dass Menschen 40 bis 50 Kilometer zur Arbeit fahren müssten und bei niedrigen Löhnen und hohen Fahrtkosten am Ende kaum etwas übrig bleibt. Wer arbeiten geht, darf sich nicht fragen müssen, ob er sich den Weg zur Arbeit überhaupt leisten kann.
Zweitens möchte ich die medizinische Versorgung im ländlichen Raum sichern. Wir brauchen Ärztinnen und Ärzte, die erreichbar bleiben, aber auch neue Lösungen dort, wo Praxen fehlen oder alters-bedingt schließen. Dazu gehören für mich kommunale Gesundheitszentren, mobile Angebote und Telemedizin – damit niemand wegen seines Wohnortes schlechter versorgt wird.
Drittens möchte ich Kitas und Schulen stärken. Wenn weniger Kinder da sind, dürfen wir nicht als Erstes Einrichtungen schließen und Personal abbauen. Wir sollten die Chance nutzen, den Personalschlüssel zu verbessern, kleinere Gruppen zu ermöglichen und damit die Qualität der Betreuung zu erhöhen. Gute Bildung und Betreuung müssen gerade im ländlichen Raum wohnortnah erhalten bleiben.
5. Was möchten Sie konkret für Ihren Wahlkreis erreichen?
Ich möchte, dass das Leben auf dem Land kein Nachteil ist. Wer hier lebt, soll Ärzte, Kitas, Schulen, Arbeit und Einkaufsmöglichkeiten erreichen können, ohne für alles weite Wege zurücklegen zu müssen. Für meinen Wahlkreis bedeutet das für mich: kurze Wege, starke Verbindungen und eine Infrastruktur, die nicht immer weiter ausgedünnt wird.
6. Welches politische Thema liegt Ihnen persönlich besonders am Herzen – und warum?
Mir ist wichtig, dass niemand ausgeschlossen wird, weil er wenig Geld hat, auf dem Land lebt, im Alltag Unterstützung braucht oder mit der zunehmenden Digitalisierung nicht zurechtkommt. Teilhabe bedeutet für mich ganz praktisch: Komme ich zum Arzt, zur Arbeit oder zu Freunden? Verstehe ich einen digitalen Antrag überhaupt und gibt es jemanden, der mir hilft, wenn ich nicht weiterkomme? Gerade bei uns mit vielen älteren Menschen brauchen wir deshalb Anlaufstellen wie einen Bürokratielotsen – und Verwaltungen müssen auch weiterhin persönlich, telefonisch und auf analogen Wegen erreichbar sein. Digitalisierung soll das Leben einfacher machen und nicht neue Hürden schaffen.
7. Worin unterscheiden Sie sich von den anderen Kandidatinnen und Kandidaten?
Ich habe in sehr unterschiedlichen Bereichen gearbeitet: als Pflegehelfer in der häuslichen Kranken-pflege, später in der Mediengestaltung und beim Fernsehen und heute als Dozent. Als ich alleinerziehender Vater von zwei noch kleinen Kindern wurde, habe ich mich beruflich neu orientiert und arbeite inzwischen seit rund zehn Jahren in der beruflichen Bildung. Ich kenne deshalb verschiedene Arbeitswelten und weiß aus eigener Erfahrung, dass das Leben nicht immer nach Plan verläuft – und dass Menschen Möglichkeiten brauchen, ihren Weg trotzdem weiterzugehen.
8. Gibt es eine politische Position Ihrer Partei, die Sie kritisch sehen oder anders gewichten würden?
Ich teile das Ziel eines bezahlbaren und perspektivisch kostenfreien öffentlichen Nahverkehrs. Im ländlichen Raum reicht es für mich aber nicht zu sagen, dass es ja einen Rufbus gibt. Wenn ich den erst vorbestellen muss, hilft mir das bei kurzfristigen Arztterminen, dringenden Erledigungen oder spontanen Verabredungen nur begrenzt – und gerade in den Ferien wird das Angebot oft noch dünner. Mobilität bedeutet für mich auch, spontan am Leben teilnehmen zu können. Deshalb ist mir ein verlässliches und flexibles Angebot mindestens genauso wichtig wie der Fahrpreis.
9. Wie möchten Sie mit Menschen umgehen, die Ihre politischen Ansichten nicht teilen?
Ich möchte mit Menschen reden, auch wenn wir unterschiedliche politische Ansichten haben. In meinem Unterricht zeige ich meinen Teilnehmenden zum Beispiel Tagesordnungen von Stadtratssitzungen und erkläre, wie Entscheidungen zustande kommen. Dabei merke ich immer wieder, dass Ärger und Misstrauen auch entstehen, weil politische Abläufe kaum erklärt werden. Deshalb brauchen wir mehr Transparenz und eine Politik, die verständlich erklärt, wie Entscheidungen entstehen und wer daran beteiligt ist. Wir müssen am Ende nicht einer Meinung sein, aber wir sollten wissen, worüber wir eigentlich reden. Eine klare Grenze ziehe ich dort, wo Menschen abgewertet, ausgegrenzt oder bedroht werden.
10. Vervollständigen Sie den Satz: „Sachsen-Anhalt ist im Jahr 2031 für mich erfolgreich, wenn …“
... Sachsen-Anhalt ist im Jahr 2031 für mich erfolgreich, wenn junge Menschen hierbleiben wollen, weil sie hier Arbeit finden, eine Familie gründen können und alles da ist, was man für ein gutes Leben braucht: Kitas, Schulen, Ärztinnen und Ärzte, bezahlbares Wohnen und verlässliche Mobilität. Ich wünsche mir, dass nicht nur meine eigenen Kinder, sondern alle jungen Menschen hier sagen können: Hier habe ich eine Zukunft.
Persönliche Fragen
11. Was machen Sie, wenn Sie einmal nicht Politik machen?
Ich lese gern Nachrichten aus unterschiedlichen Quellen. Besonders gern begleite ich meine Tochter zu ihren Fußballspielen. Das ist für mich Zeit mit meiner Familie, auf die ich mich immer freue.
12. Welches Buch, welcher Podcast oder welche Zeitung hat Sie zuletzt besonders beeindruckt?
Ich lese Nachrichten querbeet und nicht nur eine bestimmte Zeitung. Besonders beeindruckt hat mich ein Bericht darüber, dass sich die Ozonschicht wieder erholt. Für mich zeigt das: Wenn viele Länder gemeinsam handeln und verbindliche Regeln schaffen – wie beim Verbot von FCKW –, können wir auch große Probleme tatsächlich lösen.
13. Worauf sind Sie außerhalb der Politik besonders stolz?
Ich bin sehr stolz auf meine Kinder und meine Familie. Mein Sohn hat sein erstes Ausbildungsjahr geschafft, und meine Tochter gibt in der Schule ihr Bestes. Zu sehen, wie meine Kinder ihren eigenen Weg gehen, bedeutet mir sehr viel.
14. Kaffee oder Tee? Frühaufsteher oder Nachteule?
Ganz klar: Kaffee, schwarz und ohne Milch. Ich bin weder ein ausgesprochener Frühaufsteher noch eine Nachteule – der frühe Wurm ist nicht so meins, aber ich arbeite gern abends.


















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