Wirtschaftsforum der IHK Halle-Dessau - AfD-Spitzenkandidat Siegmund sagt Teilnahme kurzfristig ab

Großes Interesse und viele offene Fragen begleiteten das diesjährige Unternehmerforum der IHK Halle-Dessau. Fast jede zweite vorab eingereichte Frage der regionalen Unternehmerschaft richtete sich an den AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund. Dennoch blieb die Bühne für ihn leer. Siegmund sagte seine Teilnahme kurzfristig aus „persönlichen Gründen“ ab. Auch der ursprünglich als Vertreter angekündigte Landtagsabgeordnete Hans-Thomas Tillschneider erschien nicht, weshalb schließlich der wirtschaftspolitische Sprecher der Landtagsfraktion, Jan Scharfenort, auf dem Podium Platz nahm.
Für IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Brockmeier ist die Abwesenheit ein Ärgernis. Es sei bereits das dritte Mal gewesen, dass Siegmund einer Wahlveranstaltung der Wirtschaft fernblieb. Brockmeier zeigte sich enttäuscht über die Absage, da das Format seit Jahren etabliert ist und Spitzenkandidaten anderer Parteien, die durchweg persönlich vertreten waren, der Einladung regelmäßig folgen.
Kontroverse Themen: Zuwanderung und Rundfunkbeitrag
Inhaltlich ging es bei dem Forum vor allem um drängende Zukunftsfragen wie den Fachkräftemangel, Arbeitsmigration und die konkrete Wirtschaftspolitik der Parteien. Unter anderem wollte IHK-Chef Brockmeier von der AfD wissen, wie es um die im Wahlkampf oft zitierte Rückkehr ausgewanderter Sachsen-Anhalter stehe und warum davon in der Praxis bislang wenig zu spüren sei.
Für Erstaunen im Saal sorgte eine Blitzfragerunde zum Thema Zuwanderung. Auf die Frage, ob Sachsen-Anhalt Zuwanderung brauche, hoben alle Anwesenden, einschließlich des AfD-Vertreters Scharfenort, die grüne Karte. Scharfenort betonte, seine Partei unterscheide strikt zwischen qualifizierter Fachkräftezuwanderung und illegaler Migration, und verwies dabei auf ein persönliches Beispiel aus seiner Familie.
Auch beim Thema öffentlich-rechtlicher Rundfunk gab es Klärungsbedarf. Auf Nachfrage von FDP-Spitzenkandidatin Lydia Hüskens zu den finanziellen Konsequenzen einer Kündigung des MDR-Staatsvertrags blieb eine detaillierte Antwort aus. Scharfenort erklärte lediglich mit Blick auf den Rundfunkbeitrag, dass er diesen selbst seit 15 Jahren nicht zahle.
Am Ende des Forums blieben für viele der anwesenden Unternehmer trotz der Debatte mit den übrigen Spitzenkandidaten zentrale Fragen an den Hauptadressaten der AfD unbeantwortet.
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